Der Binnengroßhandel, 453
ermangeln, langfristigen Warenkredit einräumt und sich hierdurch eine
Anzahl von ihm indirekt abhängiger Absatzstellen sichert, deren Gesamtumsatz
naturgemäß eine große Rolle spielt. Dieser Kreditgrossist
beliefert z, B. die Bäcker mit Mehl, den Schuhmacher mit Leder, den
Grünkramladen mit Gemüse, den Schneidermeister mit Stoffen,
Und schließlich nennen wir noch den sogenannten Einrichtungsgrossisten,
der in Deutschland oftmals der Gründer von
Herrenkonfektionsgeschäften, von Tabakläden, von Drogenhandlungen,
von Friseurgeschäften, Schneider- und Metzgerläden usw. geworden
ist, Die wirtschaftliche Aufgabe dieser Einrichtungsgrossisten besteht
einmal darin, daß er reellen Geschäftsleuten, die jedoch kein Kapital
haben, zu einer guten Existenz verhilft und darin, daß er andererseits
durch den damit in Zusammenhang stehenden, sich ständig steigernden
Umsatz — denn der Einrichtungsgrossist liefert ja selbstverständlich
seine Ware den Ladeninhabern, denen er zur Einrichtung ihres Geschäfts
verholfen hat — die Absatzmöglichkeit des landwirtschaftlichen
oder industriellen Erzeugers, von welchem der Großhandel wiederum
seine Ware bezieht, fördert,
Schlußwort,
Ein abschließender Rückblick auf unsere Betrachtungen über die
wirtschaftliche Bedeutung des Großhandels läßt erkennen, daß die vielfach
zu Unrecht vorgenommene Anfeindung des Großhandels einseitiger
Unterrichtung entspringt, und daß demagogische Schlagworte — Verteuerung
der Waren durch den Zwischenhandel — dazu beitragen, über
die vielfältigen Funktionen des Großhandels einen falschen Eindruck
zu erwecken, Zweifellos hat der Krieg und seine Folgewirkung, die
Lockerung der allgemeinen Grundsätze von geschäftlicher Disziplin und
Moral, dahingeführt, daß sich in den reellen Großhandelsstand eine
Reihe von Firmen eingeschlichen haben, die ein größeres Maß von
„Geschäftstüchtigkeit‘ als von grundreellem Kaufmannssinne aufweisen.
Wir erwähnen in diesem Zusammenhange nur das ominöse Wort
„Kettenhandel’, um uns mit Schaudern in die früheren unerwünschten
Zustände zurückzuversetzen, die allerdings zumeist ihre verhängnisvolle
Ursache in dem System der Plan- und Zwangswirtschaft, während des
Krieges in der Kriegswirtschaft hatten. Weiterhin ist objektiv feststellbar,
daß als Folgeerscheinung dieser Zustände und vor allen Dingen
der Inflation die Anzahl von oft wenig sachverständig geleiteten
Handelsunternehmungen eine Zeitlang erschreckend zugenommen hat,
und daß in der Stabilisierungsperiode 1924/25 zwangläufig wegen allmeinen
Substanzverlustes der Handelsfirmen deren Zahl zunehmen
mußte, damit — bei den dezimierten Geldmitteln des Handels — der