Full text: Die deutsche Wirtschaft

Der Binnengroßhandel, 451 
und den Rückgang des Konsums in Betracht zieht, so wird es verständ- 
lich sein, daß der Kleinhandel weder in der Lage ist, große Mengen 
auf einmal zu beziehen, noch daß es für den Detailhandel wirtschaftlich 
vorteilhaft ist, solche Waren auf Lager zu nehmen, die dem Verderb, 
dem Modewechsel oder der Substanzveränderung ausgesetzt sind und 
daher schon nach relativ begrenzter Zeit nahezu wertlos werden. 
Die Kundschaft bevorzugt erfahrungsgemäß nur das Ladengeschäft, 
welches die frischeste Ware oder die neuesten Artikel führt. Der 
Großhandel kann das Risiko einer größeren Lagerhaltung — sofern 
heutzutage das nötige Kapital dazu vorhanden ist — naturgemäß eher 
übernehmen, da der Abruf von Waren aus seinem Lager beständig von 
den verschiedensten Seiten, d, h. von Hunderten oder gar Tausenden 
von Detailhändlerfirmen, erfolgt, die ihre Bestellungen in mehr oder 
weniger großen Mengen aufgeben, 
Typisch für die volkswirtschaftliche Notwendig- 
keitder Verteilungsfunktion des Großhandels beim 
Fabrikatenhandel ist z, B. das Textilgebiet. Tuche, Seide und andere 
Gewebe werden dem Großhändler von der Fabrik in großen Stücken 
geliefert; er teilt diese Stücke in einzelne kleinere Coupons auf, um 
damit das kleine Detailgeschäft, den Schneidermeister oder die 
Modistin zu beliefern, 
Noch wichtiger und sinnfälliger wird die Verteilungsaufgabe des 
Großhandels bei dem auch bereits verschiedentlich beschriebenen Typ 
des Engros-Sortimenters, da dieser nicht allein die Lager- 
haltung und Verteilung einer bestimmten, an sich gleichmäßigen 
Warenart vornehmen, sondern dafür Sorge tragen muß, daß ent- 
sprechend den vielgestaltigen Wünschen einer bestimmten Kategorie 
des Detailhandels (Eisenwaren, Haus- und Küchengeräte, elektro- 
technische Artikel, Modewaren, Papier- und Schreibmaterialien, 
Drogen, Kolonialwaren, Zigarren usw.) von ihm noch eine spezielle 
Unterverteilung der auf Lager befindlichen Güter vorgenommen wird. 
Er muß die Warensortimente oft zu Kollektionen vereinigen und diese 
an Hand eines reichhaltigen Warenkatalogs seinen Abnehmern 
anbieten, 
Es liegt auf der Hand, daß ein einzelnes Detailgeschäft 
unmöglich die Tausende von verschiedenen vom Großhandel 
regelmäßig zu führenden Artikel in größeren Mengen auf La ger 
halten kann, zumal da die Wünsche der Kundschaft sich in der Regel 
nur auf bestimmte gangbare Sorten zu beschränken pflegen, Dennoch 
muß der Detailhandel auch bei besonderen Wünschen der Kundschaft 
in der Lage sein, diese dem Abnehmer baldmöglichst anzubieten. Hier 
greift wiederum der Großhandel ein, der nicht allein den laufenden 
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