Contents: Die deutsche Hausindustrie

§ 3. Indirekte Befeitigung gewiffer Hausinduftrien 
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hausinduftriellen Städtchen Ruhla bei Eifenach. Seitdem eine Nebenbahn in 
das verfteckt liegende Ruhltal führt, hat das Städtchen eine Fabrik nach der 
andern erhalten und die Kausinduftrie mit allen ihr anhaftenden Mifzftänden 
zum grofzen Teil verloren. — Ähnliche Beobachtungen hat man in dem 
thüringifchen Dorfe Brotterode und in Schlefien gemacht. 
Es hiefze aber die Bedeutung der „Bahntheorie“ gewaltig überfchätzen, 
wenn man glaubte, dafz infolge der Bahnbauten nun die ländliche Hausinduftrie 
allmählich fchwinden würde, ln Gegenden, die längft von Bahnlinien durch- 
fchnitten find, gedeiht die Hausinduftrie, oft neben der Fabrik, üppig weiter, 
wie Wilbrandt z. B. auf feinen Wanderungen durch die fächfifchen Weber 
gegenden beobachtet hat. Im Glatzerlande drängen fich die Weberhäuschen 
oft dicht an die Bahnlinie heran. Die Feldabahn, die in die hohe Rhön hinauf 
führt, zeigt faft an jeder Halteftelle eine andere ländliche Hausinduftrie. Die 
Bahnbauten auf dem Eichsfelde haben die dortige Zigarrenhausinduftrie keines 
falls verringert, die dortige Hausweberei geht aus andern Gründen zurück. 
Der Zufammenhang von Bahn und Fabrik ift eben kein fo mechanifch not 
wendiger, wie es nach den Ausführungen Webers fcheinen könnte. Für die 
Wahl des Standorts der lnduftrie find aufzer der Transporterleichterung noch 
andere Motive ausfchlaggebend. Und die Gefinnung der ländlichen Bevölkerung 
wird hinfichtlich Fabrik und Hausinduftrie nicht ohne weiteres durch die Bahn 
geändert. Ländliche Hausinduftrien, auch fchlecht entlohnte, die zu dem Iana- 
wirtfchaftlichen Ertrage einen kleinen Nebenerwerb bringen, werden von den 
Bewohnern fehr oft als Segen empfunden, wie z. B. in auffallend vielen 
Fällen in dem Werke von Arndt aus dem rheinifch-mainifchen Wirtfchafts- 
gebiet berichtet wird. An diefem Empfinden der Bauern wird das gegenteilige 
Urteil der Nationalökonomie von der Schädlichkeit mancher Hausinduftrie 
nicht fo rafch etwas ändern. Die Bauern hängen zudem oft mit der ganzen 
ihrem Stande eigentümlichen Zähigkeit an der Generationen alten Heimarbeit, 
und fie mögen die unabhängige Arbeit im eignen Haufe nicht eintaufchen mit 
der Zwangsarbeit in der Fabrik. Wer möchte diefe Gedankengänge des fchlichten. 
Bauernverftandes auch fo ganz unrichtig nennen? Auch die Bahn und die 
Fabrik werden indiefen bäuerlichen Auffaffungcn nicht fo leicht Wandel fchaffen. 
Bezüglich der Grofzftadt, geht der Vorfchlag kurzgefafzt dahin, 
Arbeitsgelegenheit wie Arbeitsbevölkerung in der 
Grofzftadt zu dezentral ifieren. Gegenwärtig befteht ja, wie früher 
ausgeführt wurde, das Unglück darin, dafz im Innern der Grofzftadt, 
namentlich in gewiffen Vierteln, grofze Bevölkerungsmaffen, befonders 
weibliche, zufammengeballt find, denen es an paffender Fabrikarbeit fehlt,
	        
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