Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  3.  Indirekte  Befeitigung  gewiffer  Hausinduftrien

119

aller  Begebungen  für  die  Überführung  der  Hausinduftrie  in  die  Fabrik  noch
lange  in  ihrer  altgewohnten  Befchäftigung  verharren  werden,  werden  wir  fpäter
verfuchen,  die  Grundlinien  einer  Reform  der  hausind  uftriellen
  Arbeitsverhältniffe  zu  ziehen.  Für  alle
übrige  Hausinduftrie  aber,  die  weder  volkswirtfchaftüch  noch  fozialpolitifch
einen  Anfpruch  auf  Weiterbeftehen  erheben  kann,  darf  es  fich  nur  darum
handeln,  fie  möglichft  bald  zu  befeitigen  und  den  ihr
bisher  Zugehörigen  beffere  und  1  o  h  n  e  n  d  e  r  e  A  r  b  e  i  t
zu  ermöglichen.  Diefer  Hausinduftrie  gegenüber  kann  es  heute  nur
die  eine  Politik  geben,  ihr  ein  möglichft  fchmerzlofes  und  rafches  Ende  zu
bereiten.
§  3.  Indirekte  Befeitigung  gewiffer  Hausinduftrien
Der  fcheinbar  einfachfte  Weg,  grojze  Gebiete  der  Hausinduftrie  rafch  aus
der  Welt  zu  fchaffen,  wäre  das  Machtwort  des  Gefetzes,  das  beftimmte  Arten
von  Hausinduftrie  unter  fchwerer  Strafe  verböte.  Aber  den  darbenden  Heimarbeitern
  die  letzte,  wenn  auch  ungenügende  Arbeitsgelegenheit  entziehen,
ohne  eine  beffere  dafür  zu  bieten,  das  wäre  nach  dem  Ausdrucke  Sombarts
graufame  Mordpolitik.  Es  mu(z  fich  hier  vor  allem  darum  handeln,  das  Überangebot ­
  von  billigen  Arbeitskräften  aufzuheben,  indem  für  andere  lohnende
Arbeit  geforgt  wird,  und  das  fowohl  in  den  Gebirgsgegenden  wie  in  den  Grojzftädten.
  Das  mu|z  der  gemeinfame  Zielpunkt  aller  auf  Befeitigung  der  Hausinduftrie ­
  hinarbeitenden  Politik  fein.
„Bauen  wir“,  fo  fagt.  A.  Weber  im  Hinblick  auf  diefes  Ziel,  „Bahnen  in
jedes  Gebirgstal  !  Mit  der  erften  Lokomotive,  die  Kohlen  hinaufbringt,  bringen
wir,  das  zeigt  die  Entwicklung,  die  wir  in  Thüringen  und  neuerdings  auch  in
Schlefien  erlebten,  die  Fabrikinduftrie  mit  hinauf.  Und  bauen  wir  Kleinbahnen
aus  jedem  Ausgang  der  Grojzftadt  hinaus!  In  den  Vororten,  die  fich  daraus
entwickeln,  haben  wir  Platz  für  Fabrik-  und  Werkftättenentwicklung  in
Menge.  Und  in  der  Gro(zftadt  felbft  fenken  wir  dadurch  die  Mieten.  Wir  werden
die  Hausinduftrie  dadurch  nicht  vernichten,  aber  wir  werden  ihr  das  Waffer
abgraben  und  fie  in  dem  Mafze  zurückführen,  dafz  fie  die  Zukunft  einer  fpätern
Generation  nicht  mehr  bedroht.“ 1 )  Diefer  Gedanke  Webers  ift  von  mehrern
neuern  Sozialpolitikern,  wie  Sombart,  Wilbrandt  u.  a.,  mit  Begeifterung  aufgenommen ­
  und  hat  etwas  fehr  Sympathifches.  Unterfcheiden  wir  den  Vorfchlag,
  foweiter  ländliche  und  foweit  ergrofzftädtifche  Hausindu
  ftriegebiete  angeht.

')  W  e  b  e  r  a.  a.  0.  405.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.