Contents: Währung und Handel

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auch nicht immer mit Recht, könnte man das Gegentheil be 
haupten, Inshesundere unter den speciell österreichisclien Ver 
hältnissen, wo die Gelegenheit zu nutzbringender Verwertliung 
des Capitals jedenfalls weitaus grösser ist, als der vorhandene 
(-apitalsvorrath, hat im Durchschnitte die zweite Behauptung 
melir Berechtigung als die erste ; hier wird die internationale 
Verschuldung zumeist dann am raschesten steigen, wenn sich 
das Land am wohlsten befindet, und gerade in den Zeiten der 
ärgsten Stagnation wird die internationale Verschuldung eher 
abnehmen als zunehmen. 
Oesterreich ist nun ein international verschuldetes 
Land. Daraus aber folgt noch keineswegs, dass es zugleich 
und im selben Masse ein international armes Land sei. Für 
alle Fälle kann diese internationale Arniuth blos relativ auf 
gefasst werden ; Oesterreich ist ärmer als England, Frankreich, 
Holland, Belgien und Deutschland ; ob es im grossen Ganzen 
nicht reicher als Italien und Dänemark sei, wird schwerlich 
Jemand mit voller Bestimmtheit entscheiden können ; es ist 
aber jedenfalls reicher, als alle anderen hier nicht genannten 
europäischen Staaten und steht damit, wenn man die Verhält 
nisse des Erdballs vor Augen hat, dem Jlcichthume nach 
ziemlich hoch. Die Frage darnach jedoch, ob ein Land für 
die Goldwährung reif sei, richtet sich durchaus nicht nach dem 
Verhältnisse, in welchem sein lleichthum zu dem höher stehen 
der Culturstaaten sich befindet, sonst wäre schliesslich doch 
immer nur das allerreichste Land vollkommen reif für dieses 
Münzmetall. Sowie der lleichthum, die Vei kehrsentwicklung, 
eine derartige Stufe erklommen, dass das Silber zur Vermitt 
lung der geschäftlichen Transactionen unbequem geworden ist, 
ist die Reife aus inneren Gründen erreicht. Ob das Land 
Schulden macht oder nicht, ob es daher in diesem Sinne inter 
national reich oder arm sei, kommt nur insofern in Betracht, 
als ihm die Wahl einer bestimmten Währung das Heranziehen 
fremden Capitals unter mehr oder minder drückenden Bedin- 
1 gungen möglich machte, und da der Credit, dessen Oesterreich 
1 im Auslande bedarf, jedenfalls billiger wird, wenn man liier 
zur Goldwährung übergeht, so kann, aus diesem Gesichtspunkte 
^ betrachtet, Oesterreichs „internationale Armuth“ nur ein neues 
Motiv für die Goldwährung, nicht aber gegen dieselbe sein.
	        
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