oder im ordentlichen Anleihewege bestritten werden konnten.
Wenn einmal — und das war bei der fortgesetzten Entwertung
der Mark ständig der Fall — der Reichshaushalt mit Fehlbeträgen
arbeitete und eine geregelte Kreditaufnahme nicht möglich war,
so mußte die Finanzierung der Sachleistungen durch die Notenpresse
ebenso verheerend auf die deutsche Währung wirken wie
der Markverkauf ins Ausland. Im übrigen sind Sachleistungen
nur durchzuführen, wenn Besteller und Lieferer über die Ware
selbst, den Preis und alle sonstigen Bedingungen einig sind, Das
setzt eine vollständige Freiheit der beiden Parteien in bezug auf
die Lieferung voraus.
Unter dem Vertrage von Versailles aber waren die Sachen
zwangsweise zu liefern, Von einer Einigung über die Bedingungen
war keine Rede. Der Vertrag von Versailles fordert von Deutschland
einseitig und kategorisch den Warenbedarf der Alliierten
ohne jede Rücksicht auf Handelsgebrauch. Er überläßt es dem
parteiischen Urteil der Reparationskommission zu entscheiden,
ob Deutschland zur Leistung imstande ist und ob die angeforderten
Mengen ohne Schädigung der eigenen deutschen Bedürfnisse
geliefert werden können, Er überläßt der Kommission
auch die Festsetzung der Lieferbedingungen. Ein so willkürliches
und wirtschaftlich verfehltes System mußte zum Konflikt führen,
Das war denn auch im Verlaufe der Sachlieferungen die Regel,
Eine auffallende Ausnahme bilden die Lieferungen von Farbstoffen
und pharmazeutischen Artikeln. Von ihnen ist deshalb
auch nie viel Aufhebens gemacht worden. Sie wickelten sich nach
anfänglichen Schwierigkeiten und eingehenden Besprechungen in
Ruhe zur beiderseitigen Zufriedenheit ab. Ich lege Wert darauf,
diese Tatsache rühmend hervorzuheben, weil sie ein Beispiel dafür
ist, wie bei geschickter geschäftlicher Behandlung auch anscheinend
unmögliche Forderungen tragbar gemacht werden
können, Erleichternd wirkten allerdings die treffliche Organisation
der deutschen chemischen Industrie,. der diese Lieferungen oblagen,
die glänzende Verhandlungsgabe und die große internationale
Erfahrung ihrer Vertreter, vor allem ihres Wortführers
Carl von Weinberg,
g*
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