thumbs : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

2s.

366

NIEDERLANDE.  —  Land  und  Leute.

Nationalitäten:  1)  Holländer  (Batavier)  ,  etwa  2’40Ü,0U0,  in
Holland,  Zeeland,  Utrecht  und  Geldern  ,  ihre  Sprache  ist  ein  ausgebildetes ­
  Plattdeutsch;  2)  Friesen,  fast  %  Mill.,  in  Friesland,  Groningen,
Drenthe,  Oberyssel  und  auf  mehren  Inseln  ;  mit  einer  holländ.  Mundart  ;
3)  Flamänder,  etwa  400,000,  in  Nordbrabant  und  Limburg  ;  4)  Niederdeutsche, ­
  ungefähr  50,000  in  Limburg.  —  Bei  der  Volkszählung
vom  Dec.  1859  ergab  sich,  dass  3030  der  vorhandenen  Einwohner  in
den  niederl.  Colonien  geboren  waren  ,  36,547  in  Deutschland,  19,426
in  Belgien,  1111  in  Grossbritanien,  und  4932  in  andern  fremden
Ländern.
Häuser  (Dec.  1859)  542,395  bewohnte,  52,045  unbewohnte.
Herrschaftswechsel.  Vor  der  franz.  Revolution  bestand  die  Republik
der  Vereinigten  Niederlande  aus  1)  den  7  vereinigten  Provinzen  (Holland,
Geldern,  Zeeland,  Utrecht,  Friesland,  Oberyssel  und  Groningen),  2)  der
kleinen  Landschaft  Drenthe,  und  3)  den  »Generalitätslanden«,  wozu  Herzogenbusch,
  Breda,  Bergen-op-Zoom,  Mastricht,  Venloo,  Sluis  und  Hulst
gehörten.  Man  schätzte  das  Gebiet  auf  625  Q.-M.  ,  die  Bevölkerung
auf  2%  Mill.  (In  Holland  1796.  1’880,463.)  —  Nach  Eroberung  des
Landes  durch  die  Franzosen  1795  erfolgte  Umgestaltung  des  Staats  in
eine  der  franz.  nachgebildete  »Batavische  Republik«,  in  8  Departemente
eingetheilt.  Bald  musste  man  Staatsflandern,  Mastricht  und  Venloo,
36  Q.-M.  mit  122,000  Einw.,  an  Frankreich  abtreten.  Der  Friede  von
Amiens  verschaffte  dem  Staate  die  im  Kriege  verlorenen  Colonien  wieder,
mit  Ausnahme  von  Ceylon  ;  auch  für  die  an  Frankreich  abgetretenen
Landestheile  erhielt  Holland  nur  ungenügende  Entschädigung  durch  die
Cleve'sehen  Aemter  Huissen  und  Malburgen  von  Preussen.  Im  wiederbegonnenen ­
  Kriege  gingen  die  Colonien  neuerdings  verloren.  Napoleon
dictirte  Verfassungsänderungen;  schliesslich,  24.  Mai  1806,  Verwandlung ­
  der  Republik  in  ein  Königreich,  auf  dessen  Thron  er  seinen  Bruder
Ludwig  erhob  (den  Vater  des  jetzigen  Kaisers  Ludwig  Napoleon).  Schon
1807  musste  der  Scheinkönig  das  zwischen  Frankreich  und  der  Maas
liegende  Gebiet,  mit  einem  Theile  von  Zeeland  und  den  Festungen  Bergen-op-Zoom, ­
  Herzogenbusch,  Gertrudenburg,  Middelburg  und  Vliessingen ­
  ,  an  Frankreich  abtreten,  wogegen  er  Ost  friesland,  Jever,  Kniphausen
  und  Varel  erhielt.  Der  in  1  1  Departemente  getheilte  Königsstaat
umfasste  nur  noch  578  Q.-M.  und  2'001,4  16  Einw.  —  1810  nahm  der
franz.  Kaiser  überdies  Staatsbrabant,  Zeeland  und  einen  Theil  von  Geldern, ­
  woraus  er  die  franz.  Departemente  der  Rhein-  und  der  Scheldemündungen ­
  bildete.  Als  der  Nominalkönig  darauf  die  Krone  niederlegte, ­
  einverleibte  Napoleon  am  9.  Juli  1810  auch  den  Rest  von  Holland
dem  franz.  Staate  (Eintheilung  in  die  7  Departemente  ;  Zuydersee,  Maasmündungen ­
  ,  Oberysselmündungen  ,  Oberyssel,  Friesland,  West-  und
Ostems).  Das  misshandelte  Volk  benützte  auch  in  diesem  Lande  die
erste  Gelegenheit,  das  hremdjoch  abzuschütteln  ;  die  Holländer  erhoben
sich  Ende  1813.  Der  Wiener  Congress  bildete  nun  aber  unterm  21.  Juli
1814  ein  »Königreich  der  Niederlande«,  aus  der  ehemaligen  Republik,
den  Österreich.  Niederlanden  und  dem  grössten  Theile  des  Hochstifts
Lüttich.  (Das  zu  einem  »Grossherzogthum«  erhobene  I,uxemburg
sollte  dem  neuen  Könige  als  Entschädigung  dienen  für  seine  an  Nassau
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.