Die gewerbsmäßig ausgeübte Heilkunst dieser Art wird entweder
dadurch betätigt, daß der betreffende Heilkünstler Gebete
murmelt oder es wird gemeinsam mit dem! Patienten eine Gebetsssitzung
veranstaltet, unter Umständen werden auch geweihte
Kräuter neben den Gebeten verabreicht. Der Betrieb wird
größtenteils in Sprechstundenform, oder in abendlichen Sitzungen,
gelegentlich im Umherziehen ausgeübt.
Die Motive sind, abgesehen von einigen sehr seltenen Ausnahmen,
lediglich gewinnsüchtiger Natur. Daneben spielen bei
den Gesundbetern gelegentlich auch sexuelle Motive eine Rolle.
Ein Beispiel dieser Art ist der sogenannte Wundermönch Rassputin,
mit dessen Leben und Wirken wir uns weiter unten noch beschäftigen
werden. +
Von Heilkünstlern, die in der Rheinprovinz wirken, habe ich
zufällig mehrere kennen gelernt, und zwar nicht allein in der ärztlichen
Sprechstunde, sondern zum Teil auch außerhalb derselben.
Alle waren, in sozialem Sinne genommen, zweifelhafte Existenzen.
Von dreien konnte der Lebenslauf genauer ermittelt werden.
Er sei hier wiedergegeben :
1. X. Y. Frau von ca. 40 Jahren, wegen Schwachssinns mit
epileptischen Anfällen mehrfach in Irrenansstalten gewesen, treibt
jetzt –+ aus der Anstalt entlassen + einen Hausierhandel vorwiegend
mit Seifen und Knöpfen unter Überschreitung der Höchstpreise.
Außerdem betätigt sie sich durch Wahrsagen aus den
Karten. Honorar 50 Pf. bis 1 Mk. Sie schleicht sich zu letzterem
Zwecke unter der Form des Seifen- und Knöpfeverkaufes in
Lazarette ein.
2. 25jähriger. junger Mensch, Hysteriker mit Anfällen zeitweiliger
Verstimmung und sehr labilem psychischen Gleichgewicht.
War gleichzeitig bekannter Homosexueller in einer rheinischen
~)