Full text: Theoretische Sozialökonomie

62. Die Bedeutung der Bankpolitik für die internationalen Zahlungen. 471 
kontsatzes, die aus der „auswärtigen‘“ Diskontpolitik folgen, haben eine 
Politik veranlaßt, die die Goldreserven der Banken statt durch Dis- 
konterhöhung dadurch zu schützen sucht, daß Gold für Export nur 
gegen eine Prämie hergegeben wird, Diese ‚,Goldprämienpolitik‘‘ wird 
sehr allgemein unter Aufrechterhaltung der reinen Goldwährung soweit 
durchgeführt, daß der Goldpreis bis an die obere währungsgesetzlich 
zugelassene Grenze hinaufgetrieben wird. Noch weiter kann die Gold- 
prämienpolitik in Ländern mit „hinkender‘“ oder sonst unvollständig 
durchgeführter Goldwährung gehen. Sobald eine Goldprämie ein- 
geführt wird, können die Wechselkurse auf das Ausland über die nor- 
malen Goldpunkte hinaus steigen. Durch die Goldprämienpolitik 
hat man also statt schwankender Diskontsätze schwankende Wechsel- 
kurse bekommen, und es kann darüber gestritten werden, welche vou 
beiden Alternativen das kleinere Übel ist. In dem einen Falle hat der 
Verkehr einen Diskontsatz zu tragen, der weder in der Lage des Kapital- 
markts noch unter dem Gesichtspunkte der Regulierung der Zahlungs- 
mittelversorgung des inneren Marktes begründet ist, im anderen Falle 
tritt eine Währungsverschlechterung mit vorläufigem Aufgeben der 
strengen Goldwährung ein. Das beste ist natürlich, beides zu vermeiden. 
In einem gewissen Umfange muß dies jedenfalls möglich sein, wenn 
eine große Reserve, sei es in Gold, sei es in stets fälligen oder kurz- 
fristigen Forderungen auf das Ausland, gehalten wird. 
Denkt man sich, daß ein Land immer eine unveränderte Gold- 
prämie erhebt, so hat eine solche Maßregel wesentlich nur die Be- 
deutung einer Herabsetzung der Goldparität der Valuta, und es ist 
nicht einzusehen, warum diese Herabsetzung nicht ebensogut direkt 
durchgeführt werden könnte. Für die Zahlungsbilanz ist eine solche 
Goldprämie offenbar ebenso bedeutungslos wie für den Schutz der 
Goldreserve.
	        
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