Full text: Theoretische Sozialökonomie

& 7. Tauschwirtschaft und Geldwirtschaft. 
Zweites Kapitel. 
Die Tauschwirtschaft, 
87. Tauschwirtschaft und Geldwirtschaft. 
In unseren Untersuchungen ist, wie schon bemerkt, immer voraus- 
gesetzt, daß die Wirtschaft eine vollständige ist, d. h. daß sämtliche 
wirtschaftliche Vorgänge sich ganz innerhalb der Wirtschaft abspielen, 
daß mit anderen Worten die Wirtschaft nach außen abgeschlossen und 
also selbstgenügsam ist. Dies gilt im wesentlichen von der uralten 
Familienwirtschaft oder ‚„„‚Eigenwirtschaft“‘, die sich auf den Landgütern, 
zum großen Teil auch in europäischen Ländern bis ins neunzehnte Jahr- 
hundert hinein erhalten hat. In dem Maße aber, wie die einzelnen Eigen- 
wirtschaften miteinander in Verbindung traten, um überschüssige Pro- 
dukte auszutauschen und damit eine vollständigere und allseitigere Be- 
dürfnisbefriedigung zu erreichen, und noch mehr in dem Maße, wie sich 
einzelne Personen besonderen Berufen widmeten und ihre Dienste oder 
Produkte den Familienwirtschaften gegen die Produkte derselben zur 
Verfügung stellten, hörte die Selbstversorgung. der Familienwirtschaft 
auf. Die frühere Eigenwirtschaft selbst wurde mehr und mehr auf eine 
berufsmäßige rein landwirtschaftliche Produktion spezialisiert, also in 
eine Wirtschaft, die ihre Bedürfnisse nicht länger durch eigene Produk- 
tion vollständig decken konnte, und damit in einen Teil einer größeren 
wirtschaftlichen Einheit umgewandelt. Diese größere wirtschaftliche 
Einheit besteht, wo die beschriebene Entwicklung zum Abschluß ge- 
kommen ist, aus einem gewissen Kreis von Einzelwirtschaften, die mit- 
einander in wirtschaftlicher Verbindung stehen und ihre Bedürfnisbefrie- 
digung nur durch Zusammenwirken und durch gegenseitigen Austausch 
von Diensten und Produkten gewinnen. Man nennt diese Gesellschaft 
eine Tauschwirtschaft. Die Tauschwirtschaft bildet selbst eine in sich 
geschlossene und also vollständige Wirtschaft, wenn keine Verbindungen 
mit Wirtschaften außerhalb derselben unterhalten werden. Wollen wir 
die Vorgänge in der Tauschwirtschaft zum Gegenstand einer theore- 
tischen Untersuchung machen, müssen wir offenbar eine solche voll- 
ständige Tauschwirtschaft ins Auge fassen. Für diese Gesamtwirtschaft 
gilt dann alles, was im vorigen Kapitel über die geschlossene oder voll- 
ständige Wirtschaft im allgemeinen gesagt worden ist. 
Die gegenseitige Abhängigkeit der verschiedenen Einzelwirt- 
schaften kann eine mehr oder weniger ausgeprägte sein. Die geschicht- 
liche Entwicklung hat nur sehr allmählich die früher isolierten Eigen- 
wirtschaften zu einer Gesamtwirtschaft zusammengeführt. Eine Reihe 
verschiedener Produktionszweige, die der alten Eigenwirtschaft ange- 
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