Full text: Theoretische Sozialökonomie

Kap. II. Die Tauschwirtschaft. 
In der Tauschwirtschaft ist die Produktion, wie wir finden, beinahe 
vollständig vom tauschwirtschaftlichen Produktionsprozeß übernommen. 
Der Rest produktiver Tätigkeit, den der einzelne also für sich selbst 
übernimmt, ist relativ so unbedeutend, daß wir bei einem Studium der 
Tauschwirtschaft von demselben absehen dürfen und folglich die pro- 
duktive Tätigkeit nur insofern in Betracht ziehen, als sie innerhalb der 
auschwirtschaftlichen Vorgänge fällt. Dies bedeutet, daß wir die Pro- 
duktion in demselben Moment, wo die Produkte an die Konsumtions- 
wirtschaften übergehen, als abgeschlossen betrachten. Daraus folgt 
un auch eine entsprechende Begrenzung des Begriffs des Realkapitals: 
Realkapital werden wir im folgenden nur diejenigen produzierten mate- 
riellen Güter nennen, die sich noch in dem so begrifflich beschränkten 
Produktionsprozeß befinden. 
Mit Bezug auf diejenigen dauerhaften Güter, die direkt für die Be- 
dürfnisbefriedigung Nutzungen abgeben, kann es zuweilen zweifelhaft 
sein, ob sie zu den im Produktionsprozeß stehenden Gütern gerechnet 
erden sollen oder nicht. Bei Beantwortung dieser Frage hat man zu 
oeachten, ob das dauerhafte Gut seine Nutzungen unter Mitwirkung 
remder Faktoren abgibt oder nicht. Unsere Kleider sind zwar dauer- 
hafte Güter, sie dienen aber der Bedürfnisbefriedigung direkt, ohne 
daß irgendwelche Mitwirkung anderer Produktivkräfte in Anspruch ge- 
ommen wird. Anders z. B. mit den Straßenbahnen, die ebenfalls 
Dienste zur Befriedigung persönlicher Bedürfnisse leisten, dafür aber 
die Mitwirkung des Elektrizitätswerkes, des Zugpersonals usw. in An- 
spruch nehmen. Die Straßenbahnen betrachten wir deshalb als dem 
Produktionsprozeß angehörige Güter, unsere eigenen Kleider dagegen 
nicht. Bezüglich der Wohnhäuser ist die Entscheidung nicht ganz so 
einfach. Offenbar dürfte jedoch sein, daß die großen Mietshäuser, wo 
der einzelne Benutzer nur eine Wohnung mietet, noch als der Produk- 
tion angehörig betrachtet werden müssen. Der Hauswirt ist Produzent 
on gewissen Diensten, er stellt die Benutzung einer Wohnung für eine 
gewisse Zeit den Mietern zur Verfügung. Nur die Benutzung der Woh- 
nung gehört zur unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung. Zwischen dem 
Bau des Hauses und dieser Benutzung liegt eine nicht unbedeutende 
Geschäftstätigkeit, auf deren wesentliche Seite wir erst später eingehe 
können (8 22), die aber, wie schon hier hervorgehoben werden kann, 
auch Überwachung und Unterhaltung, vielleicht noch Treppenbeleuch- 
ung und Heizung mit einschließt. Wenn der Besitzer eines Privat- 
hauses diese Funktionen auf sich selbst nimmt, werden sie jedenfalls 
och am besten als außerhalb der Konsumtionswirtschaft liegende pro- 
duktive Tätigkeiten aufgefaßt. Wir müssen uns also entschließen, die 
Ki ganz allgemein zu den im Produktionsprozeß befindliche 
auerhaften Gütern zu rechnen. 
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