Full text: Theoretische Sozialökonomie

Lt Kap. XXI. Theorie des internationalen Handels, 
Preise gesteigert werden, für andere wieder herabgesetzt, so werden 
verschiedene Interessen in verschiedener Weise getroffen. Der eine 
sieht sein Einkommen vermehrt, während der andere vielleicht einen 
großen Verlust erleidet. Dies ist natürlich die äußerste Ursache, warum 
die Vorteile.des internationalen Handels so verschieden beurteilt werden. 
Ein jeder geht von seiner privatökonomischen Erfahrung aus und 
bildet sich auf Grund derselben seine Auffassung von der Nützlichkeit 
oder Schädlichkeit des internationalen Handels und also auch von der 
richtigen Handelspolitik. Selbstverständlich ist es auf diesem Wege 
unmöglich, zu einem Ergebnis zu kommen. Die Wirkungen des inter- 
nationalen Handels müssen notwendig von einem allgemeinen sozial- 
ökonomischen Gesichtspunkt aus beurteilt werden. 
8 90. 
Die Bedeutung der internationalen Kaptitalbewegungen. 
Wir haben das Gleichgewichtsproblem des internationalen Handels 
unter der Voraussetzung studiert, daß kein Kredit gegeben wird, 
sondern daß ein Land zu jeder Zeit seine Einfuhr vollständig mit seiner 
Ausfuhr bezahlen muß. Wir haben gefunden, daß unter dieser Voraus- 
setzung ein gewisser Wechselkurs zustande kommt, und daß überhaupt 
die ganze Preisbildung in den miteinander handelnden Ländern bestimmt 
ist. Es fragt sich nun, welche Bedeutung für das Ergebnis die genannte 
Voraussetzung hat. Wenn internationale Kapitalbewegungen wirklich 
einen wesentlichen Einfluß auf den Wechselkurs haben würden, so würde 
unsere Lösung offenbar nur einen sehr begrenzten Wert haben und kaum 
bis zum Kern des Gleichgewichtsproblems des internationalen Handels 
vordringen. Wir werden jetzt sehen, daß die Sache so nicht liegt, daß 
in Wirklichkeit eine Kapitalüberführung von dem einen nach dem 
anderen Lande keine wesentliche Bedeutung für den Wechselkurs hat. 
; Betrachten wir zunächst den einfachsten Fall einer reinen Kapital- 
überführung. Nehmen wir also an, daß die Sparer im Lande A eine 
gewisse Kaufkraft zu ihrer Verfügung haben, die sie nicht wie gewöhn- 
lich in neuproduziertem Realkapital in A anlegen wollen, sondern dem 
Lande B in Form von einer Anleihe zur Verfügung stellen. Nehmen 
wir auch an, daß B diese Anleihe zum Einkauf eines neuproduzierten 
Realkapitals von A, z. B. zum Erwerb eines Schiffes, verwendet. In A 
dient dann die betreffende Sparmittelssumme in derselben Weise wie 
andere Sparmittel zum Einkauf von neuproduziertem Realkapital. 
Die Gesamtproduktion von Realkapital behält also da einen unver- 
änderten Umfang, und die Konsumtion ist vollständig unberührt. Das 
Land B hat ein neues Realkapital erworben, aber dasselbe mit Anleihe- 
ü2 
7
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.