Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  III.  Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.  373

der  Assoziation  oder  Integration  ist  die,  eine  Gesamtkraft  hervorzubringen, ­
  welche  von  der  Summe  der  einzelnen  Kräfte  unterscheidbar
ist.  Analogien  (oder  wohl  mehr  Beispiele  desselben  Gesetzes)  sind  in
allen  Richtungen  zu  finden.  Je  komplizierter  die  tierischen  Organismen
werden,  desto  mehr  erwächst  über  dem  Leben  und  der  Kraft  der  Teile
ein  Leben  und  eine  Kraft  des  integrierenden  Ganzen,  über  der  Fähigkeit
unfreiwilliger  Bewegungen  die  Fähigkeit  freiwilliger  Bewegungen.
Die  Handlungen  und  Antriebe  von  Körperschaften  sind,  wie  oft  bemerkt
worden  ist,  verschieden  von  denjenigen,  welche  unter  gleichen  Umständen ­
  in  den  einzelnen  zutage  getreten  sein  würden.  Die  Kriegstüchtigkeit ­
  eines  Regiments  kann  sehr  verschieden  von  derjenigen  der  einzelnen
Soldaten  sein.  Aber  es  bedarf  keiner  Beispiele.  In  unseren  Untersuchungen ­
  über  das  Wesen  und  das  steigen  der  Grundrente  begegneten
wir  demselben  Umstande,  aus  den  ich  anspiele.  Wo  die  Bevölkerung
dünn  ist,  hat  der  Boden  keinen  Wert;  sobald  die  Menschen  sich  an  einem
Orte  häufen,  erscheint  und  steigt  der  Wert  des  Bodens  und  ist  genau
zu  unterscheiden  von  den  durch  individuelle  Anstrengung  erzeugten
werten;  ein  wert,  der  aus  der  Assoziation  hervorgeht,  mit  zunehmender ­
  Assoziation  größer  wird  und  mit  verschwindender  Assoziation  aufhört. ­
  Und  ebenso  ist  es  auch  mit  anderen  Kräften  als  den  ökonomischen.
Je  mehr  nun  die  Gesellschaft  sich  entwickelt,  verfolgt  die  Neigung,
die  alten  sozialen  Einrichtungen  zu  erhalten,  das  Ziel,  die  Gesamtmacht,
sobald  sie  entsteht,  in  die  Hände  eines  Teiles  der  Bürger  zu  legen;  und
die  mit  den  sozialen  Fortschritten  eintretende  ungleiche  Verteilung
des  Reichtums  und  der  Macht  bringt  immer  größere  Ungleichheit  hervor,
da  das  Unrecht  durch  die  Stoffe,  die  es  nähren,  wächst,  und  der  Gedanke
der  Gerechtigkeit  durch  die  gewohnheitsmäßige  Duldung  der  Ungerechtigkeit ­
  ausgelöscht  wird.
Auf  diese  Weise  kann  die  patriarchalische  Organisation  der  Gesellschaft ­
  leicht  in  Despotie  übergehen,  in  welcher  der  Despot  ein  irdischer
Gott  wird  und  die  Massen  des  Volkes  bloße  Sklaven  seiner  Laune  sind.
Ls  ist  natürlich,  daß  der  Vater  das  leitende  Haupt  der  Familie  ist  und  daß
bei  seinem  Tode  der  älteste  Sohn,  als  das  älteste  und  erfahrenste  Mitglied
der  kleinen  Gemeinschaft,  ihm  in  der  Leitung  folgt.  Wird  aber  diese
Einrichtung  beibehalten,  wenn  die  Familie  sich  ausdehnt,  so  wird  die
Macht  in  eine  besondere  Linie  verlegt,  und  diese  Macht  nimmt  unvermeidlich ­
  immer  zu,  je  größer  der  gemeinsame  Besitz  wird  und  je  mehr
die  Macht  des  Gemeinwesens  wächst  Das  Haupt  der  Familie  wird  zum
erblichen  Despoten,  der  sich  allmählich  als  ein  wesen  höheren  Rechtes
ansieht  und  von  anderen  so  angesehen  zu  werden  verlangt.  Mit  der
Zunahme  der  Gesamtmacht  im  vergleich  zur  Macht  des  einzelnen  wächst
seine  Gewalt,  zu  belohnen  und  zu  bestrafen,  und  so  vermehren  sich  die
Beweggründe,  ihm  zu  schmeicheln  und  ihn  zu  fürchten,  bis  endlich,  falls
der  Prozeß  keine  Störung  erfährt,  ein  Volk  zu  Füßen  eines  Thrones
            
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