Metadata: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule 
inquisitorischen Charakter trägt*). Bei der Darlegung des fran 
zösischen Finanzwesens gibt er dann eine eingehende Kritik 
des bestehenden Ertragssteuersystems und stellt die Forderung 
auf, die Mietsteuer zu einer rationellen, mäßig progressiven, 
allgemeinen Einkommensteuer umzubilden, die nach äußern 
Merkmalen zu veranlagen und deren Sätze so zu bemessen 
seien, daß sie nicht zur alleinigen Steuer werde, welche 
die Beseitigung aller andern ermögliche 2 ). Das sakrosankte 
Prinzip der Proportionalität der Steuern durchbricht Colson 
noch mit andern Forderungen: differentielle Behandlung des 
fundierten und unfundierten Einkommens, abgestuft nach dem 
Grade, in dem ein Einkommen das eine oder das andere ist 3 ); 
progressive Wertzuwachssteuer bis zur vollen Inanspruchnahme 
des Mehreinkommens aus „unearned increment“ 4 ) ; endlich pro 
gressive Erbschaftsbesteuerung 5 ). 
Der sechste Band des Colson sehen Werkes ist den Fragen 
des Transportwesens, insbesondere der Eisenbahnen, Kanäle und 
Häfen, in welchen er Spezialist ist, gewidmet. In der Ablehnung 
des deutschen Staatsbahnsystems zugunsten der großen fran 
zösischen Aktiengesellschaften kommt wieder der Standpunkt 
der liberalen Schule voll zur Geltung. 
Colson beruft sich an verschiedenen Stellen zur Begrün 
dung seiner nichtinterventionistischen Weltanschauung auf 
„eine langjährige, persönliche Erfahrung in öffentlichen und 
privaten Geschäften“, womit er sich den vorher besprochenen 
Gruppen von Volkswirten anreiht. Seine Wertschätzung der 
deduktiven Methode und der synthetische Zug seines Denkens 
unterscheidet ihn jedoch wieder von diesen, mehr noch als die 
Anwendung mathematischer Figuration zur Veranschaulichung 
der Wert- und Preislehre. Colsons Räsonnement zeugt von 
ungewöhnlicher, synthetischer Denkkraft und ist wunderbar 
durchsichtig und klar. Aber seine allgemeine Theorie der wirt- 
J ) Colson, loe. eit., Bd. V, p. 198 ff., p. 285. 
2 ) ibid. p. 306 ff. 
3 ) ibid. p. 195. 
b ibid. p. 194—195. 
5 ) Und zwar nicht nur progressiv nach der Entfernung des Verwandt 
schaftsgrades, sondern auch, worauf es ja ankommt, nach der Höhe der Erb 
teile. ibid. p. 285 ff.
	        
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