Einleitung.
$ 1. Das Zwei- und Dreischichtensystem in Hochofenbetrieben
in der Nachkriegszeit,
Nachdem seit den Untersuchungen Brentanos 1 und
nach der grundlegenden Kinzelstudie Abbes?) über die
Arbeitszeitfrage die Forschung in dieser Richtung im
großen ganzen nicht fortgeschritten war, wurde die ge-Samte
Problematik der Arbeitszeitfrage durch die Einführung
des Achtstundentages im November 1918 in Deutschland
erneut akut. Während jedoch diese Probleme, vor allem
bezüglich der wirtschaftlichen Auswirkungen des Acht-Stundentages,
in der Inflationszeit mehr theoretische Bedeutung
behielten, wurden sie unter dem durch die Währungsstabilisierung
hervorgerufenen Zwang zu scharfer
Kalkulation für die gesamte praktische Gestaltung des
Wirtschaftslebens von entscheidendem Belang. So setzte
in den verschiedensten Industrien der Kampf um die Bemessung
der Arbeitszeit Ende 1923 mit besonderer Heftigkeit
ein.
Einen besonderen Abschnitt darin bildete der Kampf
um das Zwei- und Dreischichtensystem in der eisenschaffenden
Industrie. Die Rückkehr vom Drei- zum Zweischichten-1)
Brentano, Über das Verhältnis von Arbeitslohn und Arbeitszeit
zur Arbeitsleistung, 2. Aufl., Leipzig 1893. |
?) Abbe, Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Verkürzung des
industriellen Arbeitstages, in „Sozialpolitische Schriften“, 2, Aufl., Jena
1921, S. 208.
Schriften der Gesellschaft für Soziale Reform. Heft 79.