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X. Geschäft.
eignet, seine Einsicht zu schärfen, sondern auch seine Kräfte zu
erhöhen; sein Beruf unterscheidet sich auch' dadurch von allen an
deren Berufen, daß er ihn nicht auf ein absehbares Gebiet be
schränkt und den Geist in engen Grenzen hält, sondern einen
Mann dahin führt, sein Urteil auf große und vveitumfassende An
schauungen zu gründen. Kein anderer Lebensberuf umfaßt so viele
Probleme, kein anderer fordert eine so weitumfassende Anschauung
der Dinge. Ich glaube deshalb, man darf ruhig behaupten, daß
die geschäftliche Laufbahn die geistigen Kräfte erweitern und er
höhen muß.
Andrerseits erscheinen andere Berufsarten insofern um ein
Unermeßliches edler, als ihr Hauptendzweck nicht in Geldsachen
besteht; sie bleiben daher von der schlimmsten, mit jeder ge
schäftlichen Laufbahn verbundenen Gefahr frei; denn die Lauf
bahn des Kaufmanns ist, wenn im Unrechten Geiste unternom
men, die schmutzigste von allen Berufsarten. Zweifellos ist Geld
machen das erst, was junge Leute, die sich dem Kaufmanns
stande widmen, im Auge haben. Doch, obgleich zunächst das
wichtigste, darf es doch nicht der letzte Endzweck des Geschäfts
mannes sein.
Der Geschäftsmann kann durch Entwicklung der Hilfsquellen
seines Landes, durch Arbeitsschaffung für Tausende und durch
Unterstützung von Erfindungen, die für die Menschheit eine Wohl
tat sind, der Welt von allergrößtem Nutzen werden. Der er
folgreiche Geschäftsmann erhebt sich gar bald über den Stand
punkt des bloßen Geldverdienens. Er sucht vielmehr seinen größten
Stolz in der Ausdehnung seiner internationalen geschäftlichen Be
ziehungen und in seinen Schiffen, die jedwedes Meer befahren.
Der Fabrikant wieder findet in seinen Angestellten, in seinen
Werken, in seinen Maschinen und deren Verbesserungen, sowie
in der Vervollkommnung seiner' Werkstätten und seiner Metho
den sein Hauptinteresse und seine hauptsächlichste Belohnung. Und
der Gewinn, den er einheimst, ist ihm nicht nur als Geldgewinn,
sondern fast mehr noch als Zeichen seines geschäftlichen Er
folges willkommen. Neben der rein prosaischen hat jedes Ge
schäft auch seine romantische Seite. Der junge Mann, der bei
einer Finanzfirma beginnt und mit hunderterlei verschiedenartigen