Preissteigerung hervorgerufen wird, erhellt aus der Tatsache, daß nach an-
gestellten Berechnungen. eine Erhöhung von nur 1 Cent pro Pfund allein
für Europa bereits eine Mehrausgabe von 180 Millionen Mark bedeutet.
Bei den hohen Baumwollpreisen wandte man den Anbauversuchen in Neuerlicher
Argentinien wieder größeres Interesse zu; dort hatten unternehmende Kolo- Anbau in
nisten etwa seit 1890 im Chaco und in Formosa Baumwollpflanzungen an- Ben
gelegt, die aber erst zu Beginn dieses Jahrhunderts größere Bedeutung er-
langten, als die Regierung durch kostenlose Verteilung von nordamerikanischen
Samen fördernd eingrift und es sich gleichzeitig angelegen sein ließ, die
Kenntnis des Anbaues durch Unterweisungen und aufklärende Veröffent-
lichungen zu verbreiten. Bereits auf der landwirtschaftlichen Ausstellung
im Jahre 1903 waren zahlreiche Proben guter Baumwollen aus den nörd-
lichen Provinzen, insbesondere aus dem Chaco, zu sehen.
Verschiedene Gegenden im Norden der argentinischen Republik eignen
sich nach dem Urteil Sachverständiger ganz vorzüglich für die Baumwoll-
kultur. Ein nordamerikanischer Kenner, der Argentinien im Auftrage seiner
Regierung bereiste, urteilte über die Baumwollplantagen im Chaco, daß er
selten so kräftige und produktive Pflanzungen gesehen habe. Der Boden
gleiche dem des Mississippitales in Louisiana, sei aber leichter zu bearbeiten.
Die Pflanzen produzierten eine ungewöhnliche Menge von Kapseln und
könnten in jeder Beziehung den Vergleich mit den besten der Vereinigten
Staaten aushalten.
Von einer eigentlichen. „Baumwollregion“ kann man in Argentinien Klima.
allerdings noch nicht sprechen, da, bisher regelrechte Anpflanzungen nur im
östlichen Chaco in dem Gebiete von Resistencia gemacht wurden, Der in
anderen Gegenden vorgenommene Anbau befindet sich mehr oder weniger
noch im Versuchsstadium, und feststehende Erfahrungen konnten in der Kürze
der Zeit noch nicht gewonnen werden. Unter der Bezeichnung „Baumwoll-
region“ sind daher vorläufig nur solche Gegenden zu verstehen, die sich
nach ihren klimatischen Verhältnissen im Vergleich mit den in anderen
Ländern gemachten Erfahrungen für den Baumwollbau eignen. Allgemein
kann man sagen, daß die Baumwolle eine Pflanze der gemäßigt-heißen Zone
ist. Sie gedeiht auch in. der tropischen, aber die subtropische Zone ver-
einigt am besten die für die Entwicklung der Fasern notwendigen Eigen-
schaften. Von Einfluß ist hierbei nicht allein die Temperatur, sondern auch
ein bestimmter Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Zu viel Regen bei hoher Tem-
Peratur läßt die Pflanze selbst zu stark emporschießen und schadet der
Baumwollfaser bei der Reife. Die beste Baumwolle wird in Gegenden ge-
Wonnen, die an sich genügend Regenfälle haben, zur Zeit der Reife der Baum-
Wolle aber schönes trockenes Wetter aufweisen nnd trotzdem sich einen
Sewissen Feuchtigkeitsgehalt der Luft bewahren. Solche Vorbedingungen
finden sich im sogenannten Cotton Belt, das die Südstaaten an der atlan-
tischen Küste, am Golf von Mexiko und am Mississippi umfaßt, — ebenso in
Aegypten am Nil, wo die fehlenden Regenfälle durch künstliche Bewässerung
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