Full text: Die deutsche Zigarettenindustrie

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Im allgemeinen schreibt man gerade der beruflichen Tätigkeit 
in der Tabakindustrie einen besonders nachteiligen Einfluß auf die 
Gesundheit zu und zwar deshalb, weil der bei der Fabrikation ent 
stehende Tabakstaub leicht Lungenerkrankungen hervor- 
rufen kann. Für die Zigarettenarbeiter liegen aber hier die 
Verhältnisse im allgemeinen günstiger, da die Staubentwicklung 
beim Zigarettendrehen eine äußerst geringe ist, namentlich eine 
viel geringere als bei der Zigarren fabrikation. Die Tuberkulose 
gefahr ist deshalb auch für die Zigarettenarbeiter lange nicht so 
groß wie für die in Zigarrenbetrieben beschäftigten Personen. 
Von anderen ungünstig auf die Gesundheit der Zigaretten 
arbeiter einwirkenden Momenten führe ich noch besonders die 
sitzende Lebensweise und die andauernde über die Ar 
beit gebückte Haltung an. Beide Umstände begünstigen die 
Entwicklung von Blutarmut und Bleichsucht, namentlich bei Per 
sonen, die nach Feierabend noch 2—3 Stunden mit Hülsenkleben 
in Anspruch genommen werden und deshalb gänzlich auf die so 
notwendige Bewegung in frischer Luft verzichten müssen. 
Über die allgemeinen Gesundheitsverhältnisse der in der Ziga 
rettenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen gibt nach 
stehende Tabelle Aufschluß, die die Dresdener Verhältnisse ver 
anschaulicht und auf Grund der Berichte der dortigen Kranken 
kasse gefertigt ist. Die in ihr enthaltenen Angaben beziehen sich 
auf alle Kategorien von Tabakarbeitern (also z. B. auch Zigarren 
macher usw.). Da aber die Zigarettenindustrie in Dresden den an 
deren Zweigen der Tabakindustrie gegenüber, auch der Zahl der 
Arbeiter nach, eine überragende Stellung einnimmt, so gibt uns 
die Tabelle, speziell in Bezug auf die weiblichen Personen, ein 
getreues Bild von den sanitären Verhältnissen der in der Ziga 
rettenindustrie tätigen Arbeiterschaft. Vorausgeschickt werden 
soll ferner noch, daß sich die Angaben für die Jahre 1900—-1903 
nur auf die eigentlichen Tabakarbeiter und -arbeiterinnen be 
ziehen, während in den übrigen Jahren alle in der Tabakindu 
strie beschäftigten Personen, also auch die in Zigarettenfabriken 
tätigen Kartonnagenarbeiter, Maschinisten usw., berücksichtigt sind. 
Die Tabelle zeigt folgendes Bild: 
(S. Tabelle S. 106.) 
Nach diesen Angaben stehen die Gesundheitsverhältnisse der 
männlichen Tabakarbeiter, auch in den Jahren, in denen nur die 
eigentlichen Tabakarbeiter in Betracht gezogen sind, über dem
	        
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