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Über ökonomische Werte
bestens ebenso groß. Das hauptcharakteristische ist, daß
diese Völker in ihren Massenschichten weniger Be
dürfnisse haben, viele Unternehmen, die in Nord
amerika zu Aufschwung und Reichtum führen, stagnieren
im Lüden, weil ihnen der Resonanzboden des Massen-
konsums fehlt. Nur, wo letzterer im Auslande liegt,
wie bei Raffee, Gummi, Getreide, Metallen usw. ist von
einem blühenden Handel und von solidem materiellem
Wohlergehen die Rede.
Einem Nordamerikaner, der einen neuen Pflug,
ein neues, bequemes Stück Möbel konstruiert hat, eine
besonders gute Rasse Geflügel oder eine schöne Blume
Züchtet, strecken sich gleich Tausende von Händen ent
gegen, die ein Bedürfnis nach diesen Dingen emp
finden, dem Züdamerikaner kaum einige wenige. Lein
Unternehmen stirbt an der Gleichgültigkeit der Ron-
sumenten, und dadurch erstirbt auch er wieder dem
Üonsum. Diese Wechselwirkung setzt sich durch alle
Schichten fort, und daher der Mangel an Aufschwung.
Der einzelne wird eben nicht dadurch kon
sumfähig, daß er etwas produziert, sondern
dadurch, daß ihm andere seine Erzeugnisse
abzunehmen gewillt und imstande sind.
Also an der Lpitze aller Entwickelung steht der be
dürfnisfähige und bedürfnisheischende Mensch.
Daraus ergibt sich, daß die Hebung der Lebens
haltung, also die Erregung von Bedürfnissen, der wert
bildende Faktor an sich ist, und hier tritt deutlich, ab
gesehen von ihrem ethischen werte, die ungeheure,
nationalökonomische Bedeutung der Runst zutage, die
bisher meist in sehr kurzsichtiger weise verkannt wor
den ist, weil man sie in kein Wertsystem einzureihen
vermochte.