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Man benutzte die Lücken des Gesetzes , um die Kosten zu ver
ringern, indem man mit möglichst wenig Bohrungen möglichst
günstige Kohlenfelder zu erlangen suchte. Muss doch für jedes
Normalfeld, also ca. 200 ha ein Fund nachgewiesen werden, wäh
rend man rechnet, dass zum rentablen Betriebe bei den schwie
rigen kostspieligen Schachtanlagen im Norden des Ruhrgebietes
4 Normalfelder, also ca. 800 ha nötig seien 1 ).
Hat man sich in Ruhe arrondiert, so lässt man sich das
Bergwerkseigentum verleihen. Das kostet pro Normalfeld 1,50 M.
Der so Beliehene behält dieses Recht, ohne Steuern zu entrichten,
auch wenn er keine Anstalten zur Gewinnung der Kohle trifft 2 ).
Bei solchem Rechte liessen es sich die grossen Gesellschaften
wohl sein; das Kohlensyndikat als solches hat den Ankauf von
Kohlenfeldern in den Bereich seiner Tätigkeit aufgenommen.
Im Jahre 1900 hatte die Gewerkschaft Deutscher Kaiser ca.
93,1 Mill. qm Berechtsame 3 ) = 9310 ha; Hibernia 10900 ha, Har-
pener Bgw.Akt.-G. 14 300 ha und Gelsenkirchen hatte August
1904 23300 ha Kohlenberechtsame (Felder, bei denen die Ge
sellschaft mindestens Dreiviertel-Majorität besitzt) 4 ).
So wurde auf Grund des Preussischen Bergrechts die Zukunft
monopolisiert 5 ). Jetzt, in letzter Stunde, will man die letzten
1) Gutachten des Bergmeisters Engel.
2) Art. Bergbau, Handw. d. Staatswissensch.
3) Entw. Bd. X. 1. 255. 4) Entw. X. i. 168.
5) Es geschah dies besonders durch die sog. Bohrgesellschaften, im Norden des
rheinisch-westfälischen Kohlenbeckens vor allem durch das »grösste und bedeu
tendste Bohrunternehmen Europas« : die Internationale Bohrgesellschaft zu Erkelenz.
Welch riesige technische Vollkommenheit diese erreicht hat, zeigen Gesamtbohrlei
stungen pro Jahr, die sie in Zeitungsannoncen mitteilt: 1901/2 rund 28 000 m, 1904/5
84689 m! Die grösste Monatsleistung betrug 9572 m. Die grösste Tagesleistung
von einem Bohrkran wiederholt 200 m und darüber in 22 Stdn.! — Diese Gesellschaft
trat bereits im Herbst 1903, als die Erneuerung des Rheinisch-Westfälischen Kohlen
syndikats im Werden war, mit diesem wegen Verkauf ihrer Kohlenfelder in Verbin
dung. Laut Syndikatsstatut darf nämlich die Syndikatsleitung 3 Proz. der Jahres
rechnungen des Syndikats für solche Erwerbungen verwenden, ohne die Zechenbe-
silzer befragen zu müssen. Zu dem, was darüber hinausgeht, ist die Zustimmung von
°/io der Zechenbesitzer erforderlich. Bei (1904) 40,32 Mill. t Gesamt-Syndikatsver
sand a 10 M. pro t betrüge also der Erlös rund 400 Mill. M., davon 3 Proz. Um
lage macht ca. 12 Mill. M. zum Erwerb neuer Felder. Nun soll die »Internationale«
etwa 150—170 000 M. pro Normalfeld fordern; bei 280 Normalfeldern langt also
obiger Betrag nicht. Das Syndikat als solches aber hat Bedenken gegen die Inve
stierung solcher Summen gehabt. Da hat sich aus Mitgliedern des Syndikats die
»Rheinisch-Westfälische Kohlengesellschaft« gebildet, die die Felder erworben hat.
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