Die Verstaatlichung der Bergwerke.
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Gewiß kann man darüber diskutieren, ob die Frachten
in Zukunft nicht herabgesetzt werden könnten, aber heute
würde ein niedriger Tarif nicht den Konsumenten, sondern
den Zechenbesitzern zugute kommen. Der Preis der Kohle
würde sich ohne Zweifel nach Einführung dieser Erleichterung
langsam um das Maß der Tarifermäßigung in die Höhe be
wegen. Sonst macht der Artikel nur den Eindruck, als ob
trotz der Kohlenringe die Preise etwas ins Schwanken ge
raten seien und die billigeren Tarife den Konsumenten viel
leicht einen Anreiz zu neuen Abschlüssen geben sollten.
Daß die Kohlenpreise sich ohne erhebliche Einschränkung
der Förderung bei dem Darniederliegen der Industrie nicht
auf der bisherigen Höhe — sie sind in den letzten fünf
Jahren um 38 Prozent gestiegen — halten können, leuchtet
ein. Zu Arbeiterentlassungen aber wird es kommen, denn
den Bergwerksbesitzern liegen mehr die hohen Preise als
das Wohl der Arbeiter am Herzen. Schon jetzt legen
manche Zechen bis zu zwei Tagen per Woche Feierschichten
ein. Wie kolossal die Dividenden der zwei letzten Jahre
gewesen, ist ja allen bekannt, die vier Kohlenbergwerks
gesellschaften Gelsenkirchen, Harpener Bergbaugesellschaft,
Konsolidation und Hibernia arbeiten je mit 42, 45, 16 und
26 Millionen Mark und haben einen Reingewinn in den
ersten zehn Monaten 1891 von 7 654000, 7 311000 4097 000
und 4 760 000 Mark oder 18, 16, 24 und 29 Prozent Dividende
zu verzeichnen. Die Arenbergische Gesellschaft hatte sogar
80 Prozent zu verteilen.
Auf das Verhalten der Kohlenringe wirft der Bericht der
Handelskammer zu Siegen, einer Korporation, die stets streng
schutzzöllnerischen Anschauungen gehuldigt hat, ein scharfes
Licht. Die Kammer stellt fest, daß sich die Durchschnitts
preise für Flammförderkohlen aus dem Essener Reviere
loco Werk, nachdem sie 4,97 Mark im Jahre 1879 und
7,41 Mark im Jahre 1880 betragen hatten, von 1881 bis,
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