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Humanität, von Standes-Vorurtheilen ... Die Bürgerlichen, die gleich die
ganze Hand fassen, wenn man ihnen nur einen Finger reicht, stimmten
sogleich, als müsse es so seyn, in diesen Ton, und die schuldige Ehr
furcht, die dem adeligen Blut gebührt, ward ganz bei Seite gesetzt. Hiezu
würkte der um diese Zeit in Deutschland sich überall ausbreitende Frei
maurer-Orden, wo die verschiedensten Stände sich so lange unter
einander Bruder nannten, bis es einer oder der andere glaubte. Immer
häufiger wurden nun Mißheurathen, die das edle Blut des Adels verun
reinigten ... In jener Zeit ward das preußische Gesetzbuch gemacht,
dessen Einleitung recht schön philosophisch klang; da war auch von
Menschenrechten, und solchen Mode-Begriffen die Rede.“
Einen vernünftigem Zweck, nämlich vor der Auswanderung zu
warnen, hatte das nächste Verlagswerk, das der Verfasser, der
Cameralist und Kölner Regierungsrat Dr. Wilh. Butte (1772—1833)
„Erinnerungen an meine teutschen Landsleute,
welche versucht seyn sollten aus Europa zu wan
dern“ betitelte. Er behauptet darin, daß Europa „der vorzüg
lichste Welttheil für den Menschen in seinem natürlichen, d. h.
in dem gesellschaftlichen Zustande“ sei. Sterben und Abgaben
zahlen müsse man überall, und Krieg gebe es ebenfalls überall.
„Manche Leute haben schon das Schicksal, daß der Krieg immer
wieder da ausbricht, wohin sie sich und die Ihrigen flüchteten,
um seiner Geißel zu entgehen.“
Das Jahr 1816 brachte dann noch „Vorschläge zur Er
richtung eines allgemeinen Jüngfrauen-Stiftes in
Preußen“, die ein unbekannter Verfasser „im Depot der preu
ßischen Kriegs-Gefangenen zu Limoges im Januar 1814“ geschrieben
und dem Großherzog von Sachsen-Weimar, „dem Beförderer alles
Guten und Schönen in Deutschland“, gewidmet hatte.
Er macht in dem seltenen Büchlein, das nur noch in einem Stück in
der Kgl. Bibliothek in Berlin aufzutreiben war, den Vorschlag zur Ein
richtung einer Art weltlichen Klosters, in dem edle Jungfrauen Kranke,
besonders im Dienst des Vaterlandes verwundete Krieger, pflegen, Findel
häusern vorstehen und durch unentgeltliche Unterrichtserteilung an
Mädchenschulen für weibliche Erziehung tätig sein sollten. Nach den
Kriegen hatte manches deutsche Mädchen ihren tapferen Bräutigam verloren
und sich „entschlossen, ihr ganzes Leben dem Andenken des Verlorenen
zu weihen“. Das Stift sollte „den geselligen Begriffen des jetzigen Jahr
hunderts und der fortgeschrittenen Aufklärung“ entsprechen; es wollte
dem weiblichen Geschlecht „neben dem Manne“ Selbständigkeit verleihen.
„Wie schmerzlich muß es dem weiblichen Gemüth seyn,“ sagt dieser
frühe Verfechter der Frauenemanzipation, „bei den jetzigen geselligen