Die Gruppe der Universitätsprofessoren
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stellt endlich der Individualismus die Methoden der modernen
Wissenschaft: die psychologische, die mathematische, die sozio
logische in seinen Dienst.
Der Konflikt des individualistischen und des sozialistischen
Geistes ist eine konstante Wirklichkeit. Die individualistische
und die sozialistische Weltanschauung sind im tiefsten Grunde
un versöhnbar, weil der Sozialismus rationalistisch und der In
dividualismus antirationalistisch und empirisch ist*). Dei Gegen
satz zwischen Individualismus und Sozialismus gipfelt in der ver
schiedenen Auffassung von dem Existenzgrunde der Gesellschaft
und der sozialen Holle des Individuums. Für den Individualis
mus ist die Gesellschaft aus den Bedürfnissen der Menschen
entstanden und wesentlich utilitarisch gerechtfertigt. Sie ist
„eine amorale, natürliche Erscheinung, die eigenen Entwick
lungsgesetzen gehorcht, auf welche die Vernunft nur wenig
einwirken kann“. Für den Sozialismus ist die Gesellschaft, be
wußt oder unbewußt, ein willkürliches Werk des Menschen,
welches ein ethisches Ziel hat : die Gleichheit zu verwirklichen 2 ).
Der Gleichheitsgedanke ist spezifisch sozialistisch, der Indivi
dualismus erkennt nur eine Gleichheit an : die der Mittel zur
Entwicklung der Persönlichkeit.
Das Buch von Schatz klingt aus in eine elegische Klage
über den Interventionismus und Protektionismus, welche die
Existenz Frankreichs aufs Spiel setzen. „Frankreich geht zu
grunde, nachdem es alles der Chimäre des allgemeinen Glücks
durch den Staat und die Revolution geopfert und alle Fran
zosen unzufrieden gemacht hat ohne andern Vorteil, als daß es
den nicht wieder gut zu machenden Bankrott des Vorsehungs
staates vor aller Welt offenbart, dieses Staates, der alle Hoff
nungen enttäuscht und alle Befürchtungen übertreffen hat“ 3 ).
Ein Wort nur zur Kritik. Die Ausführungen Schatz’ sind
natürlich deswegen von besonderem Interesse, weil sie die indi
vidualistische Doktrin widerspiegeln, um welche Deschamps
einen stattlichen akademischen Nachwuchs und begeisterte
Scharen junger Rechtsstudierender zu gruppieren verstanden
hat. Daß man dabei Übertreibungen eines jugendlichen Tem-
0 ibid. p. 563 ff.
2 ) ibid. p. 568 ff.
®) ibid. p. 574.