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III. Der Kapitalmarkt.
Instituten in wachsendem Matz aus fremde, nicht auf eigene Mittel
stützten, und datz den Aktienunternehmungen im Bankwesen Geschäfts
prinzipien zuwiderliefen, die darauf ausgingen, eine Generation lang sich
zu kasteien, um der nächsten oder zweitnächsten die Früchte der Arbeit
zuzuwenden. Die Abweichung von jenen Geschäftsgrundsätzen vollzog
sich um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, als Pereire den OrSäit
Mobilier gründete und es unternahm, die Aktien der von diesem Institut
gegründeten Unternehmungen im Publikum unterzubringen. Dadurch
war den Lanken an Stelle der langsichtigen Spekulation eine mehr kom
missionsweise Stellung mit nur vorübergehendem Gigenengagement
zugewiesen worden. Oie Betätigung der Banken bei Beschaffung des
Eigenkapitals vollzieht sich seither fast ausschlietzlich auf dem Gebiete
des organisierten Kapitalmarkts, des Effektenmarkts.
45. Der nicht organisierte Kapitalmarkt.
% Unter den Kapitalanlagen haben nur die Effekten einen organi
sierten Markt, die übrigen Gruppen sind nicht organisiert, weder das
Eigentum an Grund und Boden noch jenes an Handels- und Industrie-
unternehmungen, soweit es sich nicht um Aktiengesellschaften handelt,
ist marktmätzig zu erwerben oder zu veräutzern. vereinzelt ist es parzellie-
rungs- und Kolonisationsgesellschaften gelungen, lokale Märkte für
ländlichen Grundbesitz zu schaffen, aber schon die Errichtung von städti
schen Häusermärkten stützt auf bisher unüberwindliche Schwierigkeiten,
denn die Bewertung eines Hauses ist individuell, es fehlt die für die
Marktentwicklung notwendige Vertretbarkeit und vor allem können
Häuser nur als Ganzes oder in großen Anteilen erworben werden, setzen
also beim Käufer einen ganz bestimmten größeren Vermögensfonds
voraus. Aus den gleichen Gründen gibt es keinen Markt für Fabriken.
Mer eine nicht in Aktienform errichtete Fabrik verkaufen, oder neues
Kapital zur Vergrößerung derselben erhalten will, mutz gewöhnlich
langdauernde Rundfragen nach Personen halten, die sich für sein Unter
nehmen interessieren. Eine Porzellanfabrik in Gberbagern oder eine
Papierfabrik in Schlesien hat es nicht leicht, eine halbe Million neues
Kapital sich zu beschaffen, wenn die bisherigen Eigentümer dieses nicht
beistellen können oder wollen. Sie mutz einen oder zwei Partner finden,
die einen immerhin wesentlichen Teil ihres Vermögens gerade diesem
Unternehmen zuwenden wollen. Oer Kapitalbesitzer wird sich aber
zu einer derartigen Anlage nur dann entschließen, wenn er die Verhältnisse
des konkreten Unternehmungszweiges genau kennt und Gelegenheit