Religiöse Bewegung; Luther.
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seiner Irrtümer; das Versprechen, sie auch künftig zu meiden,
und das Gelübde, in der Kirche niemals Verwirrung zu stiften.
Es scheint nun, daß Luthers Befangenheit den Kardinal von
der vollen Durchführung seines Vorhabens ablenkte; er ließ
sich schließlich doch in eine Erörterung ein. Da aber, auf
dem Kampfplatz wissenschaftlicher Gründe, unter gleichverteiltem
Licht und Schatten, ward Luther sicherer: es kam zu einer
förmlichen Disputation. Natürlich ging man dabei mit den
gegenseitigen Gründen aneinander vorbei; Luther konnte sich
nicht für besiegt erachten. Und so protestierte er am folgenden
Tage (13. Oktober) gegen ein einfaches Verdikt, erbot sich aber
zur Annahme eines akademisch-wissenschaftlichen Schiedsgerichts.
Der Kardinal lächelte über den Vorschlag: es kam zu er—
neuten Disputationen: was konnten sie nützen? Schließlich ging
man im Zorn auseinander. Es war ein fuür Luther persönlich
peinliches Ende, bei all seiner Sicherheit in der Sache. Er warf
fich vor, zu hitzig gewesen zu sein; er wollte noch ein letztes
Mittel versuchen, ehe er an die oberste Autorität innerhalb
der Kirche, an ein allgemeines Konzil sich berufe. Am 16. Ok—
tober appellierte er auf den Rat seiner Freunde, kirchlichen
Vorschriften entsprechend, vom schlecht unterrichteten an den
besser zu unterrichtenden Papst.
Wenige Tage darauf ist er aus Augsburg entflohen,
nachts, notdürftig bekleidet, durch ein kleines Pförtchen der
Stadtmauer, in einem jähen Ritte von acht Stunden, nach
dem er totmüde vom Pferde sank. Am 31. Oktober war er
wieder in Wittenberg. Es war bei den von der Gegenseite
vorbereiteten Maßregeln vielleicht ein sehr notwendiger Abschluß.
Aber was nun? Konnte Luther von seiner Appellation
noch etwas erhoffen? Und war es aussichtsvoll, an ein all—
gemeines Konzil zu appellieren? War jetzt überhaupt die alte
Ehrfurcht vor dem päpstlichen Recht noch am Platze? Und
waren Kurie und Kirche überhaupt noch zwei verschiedene Dinge?
Inzwischen kam von Cajetan die Weisung an Kurfüurst
Friedrich, den Mönch nach Rom zu senden oder wenigstens
aus dem Lande zu jagen. Der Kurfürst sandte den Brief an