Full text : Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

Nähe der Stahl- und Walzwerke enthebt die mittel- und ostdeutschen
Eisenverbraucher der Notwendigkeit, ihren. gesamten Eisen- und Stahlbedarf
 aus dem deutschen Westen zu beziehen und den in ihren eigenen
Werken entstehenden Schrottentfall zu ihrem Frachtnachteil auf weite
Entfernungen, z. B. nach dem Westen oder nach dem Ausland, zu liefern.
Zudem eind die mittel- und ostdeutschen Werke auf den Bedarf der
ı.hnen benachbarten Eisenverbraucher eingerichtet. .
Im übrigen wäre es falsch, anzunehmen, daß in den nahen Schrottantfallgebieten,
 wie z.B. in Schlesien, die oberschlesischen Schrottverbraucher
 ihren Standort dadurch ausnutzen, daß sie für diesen Schrott
aur einen geringen Preis bezahlen. Würden sie das tun, dann würde
die Sammeltätigkeit zum Schaden der Schrottverbraucher erheblich beainträchtigt
 werden. Die Breslauer Lokopreise bewegten sich von 1924
bis 1926 auf der Höhe der Berliner bzw. Chemnitzer Preise, .so daß die
Sammeltätigkeit dadurch angeregt blieb. Für die Eisenverbraucher ist
es. aber viel wichtiger, ihr Neueisen aus der Nähe beziehen zu können,
als für ihren Schrottentfall hohe Preise zu erzwingen, denn der Schrottentfall
 beträgt schätzungsweise noch nicht 1°/, ihres Umsatzes an Neueisen.
 Hieraus ersieht man; daß:die Schrottirage hinsichtlich ihrer Bedeutung
 für die Eisenverbraucher häufig übertrieben wird.
Das Hauptinteresse besteht für einen Vergleich der deutschen Gußbruchpreise
 mit den englischen, weil der englische Maschinenbau der
stärkste europäische Wettbewerber der deutschen Maschinenindustrie
ist, und weil der deutsche Maschinenbau und‘ die Eisengießereien die
Hauptverbraucher von Gußbruch sind. Nach der amtlichen Statistik
hatten die Eisengießereien im Reichsgebiet jetzigen Umfangs folgenden
Gußbruchverbrauch aufzuweisen:
1913 ..... 806000 Tonnen E* ;
1924 ..... 781 000 ” ;
1925 .... . 997000 .

Vergleichbare Preisangaben für ausländischen Gußbruch waren
leider für längere Zeitspannen nicht zu erhalten. Die „Gußbruch-Einkauf-Gesellschaft
 m. b. H.‘“ in Düsseldorf hat sich darum bemüht,
aber leider nur für Frankreich einige Zahlen erhalten können, dagegen
nicht für die anderen Länder. Deswegen kann ein internationaler Preisvergleich
 für Gußbruch zur Zeit nicht geliefert werden.
Auch für Deutschland stehen nur beschränkte Zahlenangaben zur
Verfügung. Die vorliegenden Angaben‘) umfassen die Monate Januar
1909 bis März 1912 sowie die Monate Januar 1924 bis Dezember 1926.
Alle Angaben beziehen sich auf Preise frei rheinisch-westfälischer
Revierstation,

Was die Vergleichbarkeit der Gußbruchpreise in Westdeutschland
mit denen in Mittel- und Ostdeutschland anbelangt, so darf angenommen
werden, daß die ersteren auch für die Preisbewegung in Mittel- und
Ostdeutschland maßgebend sind. Abweichungen mögen vorkommen; sie
beziehen sich dann meist auf sogenannte ‚lokale Partien‘, d. h. auf ver“

1) siehe Anl. 23 u, 24 S. 397/98.

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