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aus der Sozialwissenschaft eine „Naturwissenschaft“ zu machen,
trotzdem gegen eins der Hauptprinzipien neuzeitlicher Wissenschaft
handelte, indem er, statt sich auf die Fortbildung der Theorie zu
beschränken, sie alsbald in den Dienst praktischer, politischer Be
strebungen stellte, indem er selbst Sozialreformer wurde.
II. Le Play’s Leben und Werke.
Erziehung. Le Play wurde am 11. Februar 1806 zu La Bi viere
in der Nähe des kleinen Hafenortes Honfleur an der unteren Seine
geboren 1 ). Sein Vater war Zollkontrolleur und starb, als Le Play
erst einige Jahre zählte. In diesem Dorfe verbrachte Le Play die
ersten fünf Jahre seines Lebens. Seine Mutter war eine arbeit
same, tief religiöse Frau, die ihr einziges Kind zu einem brauch
baren Menschen erziehen wollte.
„Den Lehren meiner guten Mutter“, so äußerte er später, „und der fünf
Lehrer, die nach uud nach meinen Charakter geformt haben, schulde ich die
Gefühle, die mich inmitten harter Arbeit aufrecht erhalten haben: Gottesfurcht,
Einfachheit der Lebensweise, Arbeitsliebe, Hingebung an das Gute.“
Seine ersten Eindrücke entwickelten sich „unter dem heilsamen
Einfluß der Beligion, der nationalen Katastrophen und der Armut“.
Der Krieg mit England lastete schwer auf der Fischerbevölkerung
seines Heimatdorfes; denn die englische Blockade störte den Erwerb.
Mit den anderen Knaben zog er hinaus in den Wald, um Holz zu
holen. Er lauschte begeistert den Erzählungen der alten Fischer,
die sich durch ihre Kriegs-Erinnerungen über das Elend des jetzigen
Lebens hinwegzusetzen suchten, und hier erhielt er die „ersten
Lektionen der Vaterlandsliebe“. So brachte er diese Zeit zu „in
Sicherheit vor schädlichen Einflüssen inmitten einer christlichen,
patriotischen Fischerbevölkerung“.
Alle bedeutenden Eigenschaften, die wir an dem Manne Le Play
bewundern, und die auch zu seiner wissenschaftlichen Größe bei
trugen, wurden schon früh dem Knaben zur Pflicht gemacht. Über
seine Wahrheitsliebe sagt Le Play selbst:
„Ich habe die zeitgenössische Gesellschaft mit aufrichtiger Wahrheitsliebe
beobachtet; ich schulde dies Gefühl den Einflüssen, die eine Mutter und
Lehrer, die Gott und dem Vaterland ergeben waren, auf meine Kindheit aus
geübt haben.“
’) 0. E., 3. Aufl., I, ch. 1, 13—16. Als „0. E.“ wird stets Le Play’s Erstlings
werk „Les ouvriers europeens“ zitiert.