Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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Le  Play’s  Probleme  waren  ausschließlich  „soziale“,  betrafen
das  menschliche  Zusammenleben.  Auch  er  sah  sich  Dogmen  gegenüber, ­
  die  durch  unzureichende  Induktion  und  überwiegende  Deduktion ­
  entstanden  waren:  dem  Dogma  der  Individualisten  und  dem
Dogma  der  Sozialisten.  Mitten  zwischen  diese  miteinander  nicht
vereinbaren  Anschauungen  gestellt,  suchte  er  nach  zuverlässigen
wissenschaftlichen  Mitteln  zur  Entscheidung  des  Kampfes,  und  als
naturwissenschaftlich  gebildeter  Mann  entschied  er  sich  für  eine
strengere  Ausbildung  der  unvollkommenen  sozialwissenschaftlichen
Methoden,  zunächst  also  für  Anstellung  genauerer  Beobachtungen.
Da  sein  Problem  kein  Betriebs-,  d.  h.  kein  Produktionsproblem  war
wie  dasjenige  Thünen’s,  sondern  die  Gesamtorganisation  des  sozialen
Organismus  betraf,  suchte  er  das  Material  seiner  Untersuchungen
nicht  im  Betriebe  der  Erwerbswirtschaften,  sondern  in  der  Familie,
dieser  Keimzelle  des  sozialen  Organismus,  wo  er  hoffen  durfte,  durch
Vergleich  verschiedener  Organisationstypen  den  Ursachen  der  sozialen
Zerrüttung,  die  er  vor  Augen  hatte,  näherzukommen.
Thünen  und  Le  Play  waren  beide  nicht  nur  Denker,  sondern
auch  Praktiker.  Ihre  Stellung  und  ihr  Wirken  inmitten  des  Lebens
hat  auf  beide  außerordentlich  befruchtend  gewirkt.  Thünen’s  wissenschaftliche ­
  Methode  hat  sich  durch  das  Zusammentreffen  dieser
Lebensstellung  mit  einer  ganz  hervorragenden  wissenschaftlichen
Begabung  zur  höchsten  Originalität  entwickelt.  Bei  Le  Play  hat
fremder  Einfluß,  wie  wir  sehen  werden,  mehr  mitgewirkt.  Aber
dieser  Einfluß  ging  auch  bei  ihm  weit  weniger  aus  von  anderen
Nationalökonomen,  als  von  Praktikern  und  sonstigen  ihm  nahestehenden ­
  oder  von  ihm  aufgesuchten  Persönlichkeiten.  Jedem  Einflüsse ­
  der  Fachschriftsteller  suchte  er  sich  nach  Möglichkeit  zu  entziehen, ­
  um  nicht  der  von  vorgefaßten  Meinungen  ausgehenden  Suggestion ­
  zu  unterliegen.  So  ist  es  wohl  auch  zu  erklären,  daß  in
seinen  Werken  nirgends  von  Auguste  Comte  die  Bede  ist,  und  daß
er  ihn  vielleicht  wirklich  nicht  gekannt  hat,  trotzdem  Le  Play’s
Methode  offenbar  nichts  anderes  ist,  wie  ein  erster  entschiedener
Schritt  auf  dem  von  Comte  vorgezeichneten  Wege.
Le  Play  und  Comte.  Um  den  innigen  Zusammenhang  zwischen
der  Methode  Le  Play’s  und  dem  erkenntnistheoretischen  System
Comte’s  zu  erweisen,  mag  es  einstweilen  genügen,  die  folgende
Äußerung  des  ersteren  wiederzugeben,  welche  der  1.  Auflage  der
„Ouvriers  europeens“  entnommen  ist.  Sie  zeigt  deutlich,  daß  Le  Play,
um  die  Terminologie  Comte’s  zu  verwenden,  durch  seine  Methode
            
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