Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handels, 93
des Handelsverkehrs in der Vermittlung fremder, aus-
ländischer Güter liegt, welche der Händler dem heimischen
Landmann, Städter und Handwerker zuführt. Der ursächliche Zu-
sammenhang ist ganz logisch, weil die primitive Volkswirtschaft sich
ja zunächst nur von Viehzucht und in einem späteren Stadium vom
Ackerbau ernährte, und weil der Lebensstandard noch im frühen Mittel-
alter ein äußerst bescheidener war. Die geschlossene Hauswirtschaft
begnügte sich mit den Nahrungsmitteln, welche das umgebende Land
hervorbrachte und mit den Textilerzeugnissen heimischen Bodens, mit
dem Leinen und dem Tuche, welches man durch Verspinnen von
heimischem Flachs und heimischer Wolle erzeugte. Erst der wachsende
Wohlstand und auch die zunehmende Fertigkeit in der Herstellung be-
stimmter Waren (Seide, Wein, Tuche, Waffen, Leinwand) gaben den
Anreiz, entweder den Überfluß an heimischen Bodenerzeugnissen gegen
andere Güter auszutauschen, oder aber die in besonderer Güte her-
gestellten heimischen Waren gegen andere Waren aus fremden Landes-
teilen auszutauschen,
Die weitere wirtschaftliche Entwicklung zeigt uns dann neben dem
Entstehen des Im- und Exporthandels sowie schließlich, bei zunehmen-
der Entwicklung des Handwerkertums, neben den Anfängen späteren
Fabrikwesens die Notwendigkeit der Schaffung eines Binnen -Groß-
handels”), welcher dafür sorgte, daß dieim heimischen Land
geschaffenen Bodenerzeugnisse und Industrieprodukte an die Orte und
den Bevölkerungskreis verteilt werden, welcher diese Waren benötigt.
Der Handel zwischen verschiedenen Ländern und Völkern erhöhte
das Risiko des Großhandels außerordentlich stark, weil der
Handel mit einer viel längeren Dauer des einzelnen Umschlages bei
Überseetransporten und mit ganz besonderen Verschieden-
heiten der Sprache, der Rechtsgestaltung, des Geld- und Währungs-
wesens, der Bezugs- und Absatzmöglichkeiten in verschiedenen Län-
dern zu rechnen hat, Die besonderen Schwierigkeiten des inter-
nationalen Handelsverkehrs sind allerdings in den letzten
Jahrzehnten durch weit ausgebildete Handelsverträge der ein-
zelnen Staaten untereinander beseitigt. Dennoch bleibt gerade für den
Außenhandel die besonders schwierige Aufgabe übrig,
sich eingehend mit den Bezugs- und Absatzbedingungen
im fremden Land, mit fremden Handelsgebräuchen und
fremder Sitte zu beschäftigen. Erst ganz speziell erworbene Kennt-
nisse auf diesem schwierigen Gebiete verbürgen für den Import- oder
Exportkaufmann den Erfolg,
*) Vgl. hierüber die weiter unten unter 28 (Binnen-Großhandel) gegebenen Aus-
führungen,