Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
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und Pfandbriefobligationen keinen Augenblick. Für eine derartige
konsequente und erfreuliche Handlungsweise dürften die Kunden ihm
nur Anerkennung zollen und das Verhalten der Bank um so höher
veranschlagen, als die Kreditinstitute, wie noch auszuführen sein wird,
schon vor Ausbruch des Krieges versagten. Um ihre bankmäßige
Pflicht auf der Passivseite zu erfüllen, mußte die Hypothekenbank
die aktiven Geschäfte erheblich einschränken und zum Teil einstellen.
So führte der Credit-Foncier neue Hypothekar-Beleihungsoperationen
nicht mehr durch und hielt mit den Kreditgewährungen anderer Art
sehr zurück. Auch in der Folgezeit ruhten die geschäftlichen Trans
aktionen fast vollkommen und die Leitung des Credit-Foncier spricht
in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1915 offen aus, daß die Arbeit
im Jahre 1914 noch fast normal, im verflossenen Jahre dagegen
annähernd gelähmt war. Neue Ausleihungen wurden gar nicht vor
genommen. Der Crödit-Foncier beschränkte sich vielmehr darauf, die
vor Ausbruch des Krieges in Angriff genommenen Arbeiten allmählich
zu Ende zu führen. Im Jahre 1915 wurden insgesamt nur 22,6 Mill. Frcs.
Hypothekar-Darlehen gewährt, während sie für 1914 noch eine Höhe
von 172 Mill. Frcs. erreichten; die Verringerung beträgt also 149,5 Mill.
Frcs. Und auch diese geringe Summe, die im Vergleich zu den früheren
Jahren verschwindet, entspringt nicht etwa wirklichen, neuen Hypo
theken-Darlehen. Sie stellt die Konsolidierung von Friedens-Kredit
eröffnungen dar, nachdem jetzt die Baulichkeiten ihrer Vollendung
zugeführt wurden. In dieser kleinen Ziffer kommt die geringe Aktivität
des ersten französischen Hypothekarinstituts klar zum Ausdruck.
Dies kann im Grunde auch wenig überraschen. Das Bedürfnis nach neuen
Wohnungen, größeren Lagern und Läden ist höchst bescheiden, da durch
die Unsicherheit der Kriegsvorgänge, die teure Lebenshaltung und
Eingriffe des Krieges in das Familienleben alles Streben auf Ersparnisse
gerichtet ist. Damit fehlt der Bautätigkeit jeglicher Anreiz, denn der
Bauunternehmer wird schon der durch die Gesetzgebung — Miets-
Moratorium — geschaffenen Lage keinen Reiz abgewinnen können. So
muß der Realkredit notwendig in den Hintergrund treten, die Bank
dadurch zur Passivität gedrängt werden. Sie sagt es selbst recht treffend;
„Für den Credit-Foncier, dessen Tätigkeit durch den Krieg nur geschwächt
werden konnte, war das Jahr 1915 ein Jahr der Erwartung“ 1 ).
Mit der Einschnürung der Darlehensgewährung ist auf der anderen
Seite notwendig der Absatz der Hypothekenpfandbriefe stark beein
trächtigt. Die umlaufenden Obligationen erreichten
am 31. Dezember 1914 .... 4581,00 Mill. Frcs.]
am 31. Dezember 1915 .... 4649,00 „ „
d. h. eine Zunahme von nur 68 Mill. Frcs. und von diesem Zuwachs
entfallen auf Komraunalobligationen 39 Mill. Frcs. oder 57,3 %, da
gegen auf Hypothekarobligationen nur 29 Mill. Fies, oder 42,7 %. Und
q L’Economiste Franpais, 22. April 1916, S. 571.