104
Erwin Respondek,
es sei nochmals betont, daß diese kleine Lebhaftigkeit durchgehends
nicht neu eingegangenen Geschäften, sondern der Abwicklung alter
Engagements entspringt.
Über die Lage des Immobiliarmarktes vermögen einige Angaben
des Credit-Foncier über die jährlichen Tilgungs- und Zinseingänge bessere
Anhaltspunkte zu geben, als längere rein theoretisch geführte Über
legungen. Für das Jahr 1915 waren insgesamt 150,6 Mill. Frcs. Amor
tisationen zu erwarten. Außerdem stammt aus dem vorangegangenen
Geschäftsjahre ein Rückstand von 55,8 Mill. Frcs., so daß also 206,4
Mill. Frcs. fällige Verpflichtungen der Hypothekenschuldner zur Ab
deckung fällig waren. Tatsächlich aber gingen nur 88 Mill. Frcs. ein, und
118,4 Mill. Frcs. mußten in das neue Jahr hinübergenommen werden.
Im Laufe des Jahres 1916 wird von dieser Summe nach Kräften ab
gebaut, denn schon am 29. Februar standen nur noch 111,9 Mill. Frcs. aus.
Der Tilgungsdienst aus den Kommunaldarlehen ging verhältnis
mäßig glatt vonstatten, da die Departements, Kommunen und anderen
öffentlichen Körperschaften aus ihren Einnahmen die erforderlichen
Summen bereitstellen können. Hier spielten sich die in Zahlen aus
gedrückte Verpflichtung und Leistung wie folgt ab:
Restzahlung vom 31. Dezember 1914 .... 8,4 Mill. Frcs.
Neuzahlung im Jahre 1915 r5o.3 „ „
Gesamtsumme 158,7 „ „
Leistung ■ 139,7 „ „
Restzahlung am 31. Dezember 19x5 19,0 „ „
„ „ 29. Februar 1916 16,9 „ „
Zieht man die hier weit wichtigeren Ziffern aus dem Hypothekar
darlehen schärfer in Betracht, so zeigen sie als Resultat das Bild, daß
von 2857 Mill. Frcs. ausgeliehenen Hypotheken-Darlehen während einer
jährigen Dauer des Krieges allein gegen 118 Mill. Frcs. Amortisations
rückstände zu verbuchen waren, während das Soll 206 Mill. Frcs. betrug,
also nur 88 Mill. Frcs. geleistet wurden, d. h. 42,7 % der Gesamt
summe. Dieser Ausfall ist keineswegs beängstigend hoch, er könnte viel
leicht als durchaus günstig bezeichnet werden, sobald die Wirkungen
des Moratoriums in die Rechnung hineinbezogen werden. Es darf
bei der Kritik dieser Zahlen auch nicht außer acht gelassen werden,
daß viele ungünstige Faktoren noch neben jenem drückendsten aller Übel
auf die Eingänge der Zahlungen verzögernd einwirken. Ein Teil der
Schuldner steht unter den Waffen, kann durch Verraögensverluste anderer
Art geschwächt sein, ein Teil hat Haus und Hof im okkupierten Gebiete,
in Händen des Feindes, und wieder ein anderer verbirgt sich zu Unrecht,
aber gesetzlich unfaßbar, hinter den schützenden Bestimmungen des
Moratoriums. In Deutschland haben die Darlehensnehmer der Hypo-
theken-Aktienbanken nicht im entferntesten mit ähnlich großen Be
schränkungen oder direkten kriegerischen Einwirkungen zu kämpfen, und
trotzdem betrugen die Zinsrückstände bei den führenden 35 Banken