Auf dem Gebiete der Elektrotechnik sind drei
Versuchsanstalten tätig, die wegen ihrer besonderen
Wichtigkeit nicht übergangen werden dürfen. Die Ver-
suchsanstalt für Elektrotechnik am Technologi-
schen Gewerbemuseum (Abb. 6) prüft Maschinen und
Motoren, Transformatoren, elektrische Instrumente und
Widerstände und gehört zu den am meisten beschäftig-
ten Anstalten. Die Radiotechnische Versuchsan-
ztalt, ebenfalls am Technologischen Gewerbemuseum,
st für das Gesamtgebiet der Radioindustrie spezialisiert.
Sie untersucht alle Arten von Hochfrequenzgeräten und für
dochfrequenz bestimmte Isoliermaterialien. Bekannt ist,
daß der Rundspruch in Wien von der Antennenanlage
des Technologischen Gewerbemuseums seinen Ausgang
zenommen hat. Diese Antennenanlage soll in der näch-
sten Zeit für Versuche mit kurzen Wellen wieder in
Benützung genommen werden. Die Röntgentechni-
sche Versuchsanstalt am Zentralröntgenlaboratorium
des Allgemeinen Krankenhauses, eine Gründung der
letzten Jahre, untersucht alle jene Apparate und Mate-
rialien, die für die ärztliche Verwendung des Röntgen-
verfahrens in Betracht kommen. Es sind dies komplette
Röntgenapparate, Röntgenplatten, Filter, Dosismesser
und anderes. Durch diese Anstalt wird den Ärzten und
Spitälern eine wichtige Hilfe geleistet, namentlich wenn es
sich um Neuanschaffung der sehr kostpieligen Apparaturen
handelt. Aber auch die Industrie bedient sich der Anstalt
mit großer Vorliebe.
Das Gesetz vom 23. Juni 1891*), das auch noch heute
in Kraft steht, machte die Erprobung sämtlicher im In-
‚ande erzeugten Handfeuerwaffen zur Pflicht. Es
entstanden im alten Österreich, nebst Prag und Weipert
in Böhmen, die durch den Frieden von St. Germain
verloren gegangen sind, die staatlichen Probieranstal-
ten in Ferlach, Wien und die Zweiganstalt in Steyr.
Das Beschußgesetz verfolgt einen doppelten Zweck. Es
begleitet den ganzen Erzeugungsgang der Waffe vom
rohgebohrten Laufe angefangen, um ungeeignetes Material
von der Weiterbearbeitung auszuscheiden, und gibt
dem Gebraucher der Waffe eine hinreichende Sicherheit
für die Haltbarkeit, unter Veraussetzung sachgemäßer
Behandlung und einwandfreier Munition. Jeder rohge-
bohrte einfache Lauf wird der ersten, jeder Doppellauf
der zweiten und das fertige Gewehr hierauf der dritten
Beschußprobe unterzogen. Die Erprobung erfolgt durch
Gewaltbeschußladungen, die eine höhere Gasspannung
im Patronenlager ergeben, als die stärkste Gebrauchs-
'adung. Das Aufkommen der rauchlosen Pulver mit
aöheren Gebrauchsgasspannungen machte eine Beschuß-
probe mit rauchlosem Pulver als Zusatzprobe notwendig.
Für Schrotläufe ist die Probegasspannung im Patronen-
lager mit 620 kg/cm? für den Gebrauch von Schwarz-
pulver und mit 850 kg/cm? für den Gebrauch von rauch-
losem Pulver festgesetzt. Kugelläufe werden beim Be-
schuß einer Probegasspannung ausgesetzt, die um min-
destens 30% die Gebrauchsspannung übertrifft. Neue
Bestimmungen sind derzeit in Ausarbeitung, die auch
zine Übereinstimmung schaffen sollen mit den in anderen
waffenerzeugenden Staaten geltenden gesetzlichen Be-
stimmungen. um der österreichischen Waffenindustrie.
*) Für das der damalige Reichsratsabgeordnete Dr. Wilhelm
Fxner als Referent fungierte.
die heute mehr denn je auf Export angewiesen ist, audı
in diesen Staaten Geltung zu verschaffen. Angebahn!
wurde diese Übereinstimmung schon durch die im Jahre
[O1 in Brüssel aufgestellte internationale Konvention
der Beschußanstalten, der bereits eine Reihe von Staaten
angehören. Als notwendige Ergänzung steht den öster-
reichischen Probieranstalten die Bundeslehr- und Ver-
suchsanstalt für Handfeuerwallen in Ferlach zur Seite:
die über die Einrichtungen zur Messung der Gas-
spannungen verfügt, um so die Höhe der Gebrauchs-
und Beschußladungen feststellen zu können.
Die Versuchsanstalt für Werkzeugmasdchi-
nen und Werkzeuge am Technologischen Gewerbe-
nuseum in Wien ist eine Gründung der jüngsten Zeit.
Die Autorisation erfolgte im Jahre 1024. Die Anstalt
»rüft Werkzeuge und Werkzeugmaschinen auf Genauig-
keit der Ausführung, auf Leistung und Lebensdauer.
Von Arbeiten der letzten Zeit sei die Untersuchung
von Drehstählen und die Erprobung von Riemenschmier-
mitteln erwähnt. Die Anstalt wird in steigendem Maße
von dem Gewerbe und der Industrie in Anspruch ge
nommen. *
Im Rahmen der Hochschule für Bodenkultur bestehi
die Prüfstation für landwirtschaftliche Maschi-
nen. Sie hat wichtige Lehraufgaben und entwickelt eine
ausgedehnte Prüftätigkeit auf dem Gesamtgebiet des
landwirtschaftlichen Maschinenwesens.
Das technische Versuchswesen erstreckt sich auch auf
die Prüfung von Schiffen und Flugzeugen. In beiden
Fällen handelt es sich darum, den Widerstand zu be-
stimmen, welchen das Fahrzeug bei seiner Fortbewegung
im Wasser, bzw. in der Luft erfährt. Man bedient sich
hier des Modellversuches, indem verkleinerte, höchst
zenau ausgeführte Kopien der zu prüfenden Objekte
lurch das Medium Wasser oder Luft hindurchbewegt
werden. Im Falle der Untersuchung an Schiffsmodellen
st das Wasser in Ruhe, das Modell in Bewegung, im
7alle des Aeroplanmodelles ruht das Modell und ein
»ewegter Luftstrom wird darüber hinweggeführt. Mit
iußerst empfindlichen Instrumenten wird der Widerstand
zemessen. Die Einrichtung der Schiffbautechnischen
Versuchsanstalt in Wien-Nußdorf ist folgende: Über
einem Wasserbecken von 180 m Länge und 10 m Breite
bewegt sich ein Wagen. an dem das aus Paraffin her-
Ahb. 8, Versuchsanstalt für Kraftfahrzeuge, Wagenprüfstand