Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

anlagen dienen der Energieübertragung zu den 
Motoren der Lokomotiven. Die Fahrleitungen sind 
so geschaltet, daß jedes Unterwerk einen bestimmten, 
im Durchschnitt rund 40 Kilometer langen Speise- 
bereich besitzt, so daß Störungen leicht eingegrenzt 
werden können und sich meist nur wenig im Ver- 
kehre der Züge bemerkbar machen. In den Anfängen 
der Elektrisierung wurde von jeder Baufirma eine 
zigene Fahrleitungsbauart ausgeführt. Jedoch schon 
im Jahre 1925 gelang es, eine Einheitsbauart auf- 
zustellen, mit der alle Anlagen zwischen Salzburg 
und Innsbruck (Brenner) und westlich von Bludenz 
ausgerüstet wurden. Die neue Bauart (Abb. 3 und 4; 
zeichnet sich durch große Finfachheit aus, die so- 
wohl die Verwendung wohlfeilen Materials als auch 
eine Verringerung der Montagekosten ermöglicht. 
Nicht unwesentlich an der Vereinfachung mitgewirkt 
haben die Fortschritte der Isolatorenfabrikation, da 
es gelungen ist, Isolatoren zu erzeugen, die als 
praktisch durchschlagsicher anzusehen sind. Die 
neuen Fahrleitungsanlagen sind daher auch im Gegen- 
satze zur früheren doppelten Isolation durchwegs ein- 
(ach isoliert. Die Gestänge der Fahrleitungen sind 
‚ast ausschließlich aus Eisen hergestellt; nur auf ein- 
zelnen kurzen Strecken wurden Holzmaste verwendet. 
ın den vielen auf den elektrisierten Strecken vor- 
kommenden Tunnels mußten wegen der beengten 
Raumverhältnisse besondere Bauarten für die Auf- 
hängung verwendet werden. Der Finbau der Leitungs- 
anlagen in den Tunnels und ganz besonders in dem 
10'3 Kilometer langen Arlbergtunnel machte wegen 
der Einwirkung der Lokomotivrauchgase auf die 
Arbeiter, die mit großer Aufopferung den auch durch 
andere Umstände erschwer- 
ten Arbeiten oblagen, ganz 
erhebliche Schwierigkeiten. 
Die zur Gänze bis Anfang 
[024 ausgeführten Fahr- 
drahtanlagen der Salz- 
kammergutlinie gehören 
noch nicht der neuen Re- 
zelbauart an, zeigen aber 
auch schon gewisse Merk- 
male derselben Bauart, so 
zum Beispiel im allgemeinen 
die einfache Isolation. 
Infolge der Ausrüstung 
der Bahnlinien mit Fahr- 
leitungen mußten die längs 
der Bahn verlaufenden Te- 
legraphen- und Telephon- 
leitungen wegverlegt wer- 
den; sie werden im allge- 
meinen als Erdkabel ge- 
führt, und zwar die bahn- 
eigenen Leitungen in der 
Bahntrasse, die dem Bunde 
zehörigen Leitungen in den Straßen. Gleichzeitig mit 
der Verkabelung der Schwachstromleitungen erfolgte 
zine durchgreifende Verbesserung der ganzen Tele- 
graphen- und Telephoneinrichtungen der elektrisierten 
Linien. 
Die für die Elektrisierung bestimmten Strecken sind 
zum Teil ausgesprochene Gebirgsbahnen mit starken 
Steigungen (bis zu 31'4 %) und ungünstigen Richtungs- 
verhältnissen, zum Teil Talstrecken mit geringen 
Neigungen und günstigen Richtungsverhältnissen, die 
hohe Fahrgeschwindigkeiten zulassen. Da außerdem 
bei den einzelnen Strecken durch die Verkehrsver- 
nältnisse bedingte namhafte Unterschiede hinsichtlich 
der zu befördernden Zuglasten bestehen, so waren 
die Anforderungen, die an Zugkraft und Fahr- 
geschwindigkeit der Lokomotiven gestellt werden 
mußten, sehr verschiedenartig. Es mußten daher 
verschiedene Lokomotivbauarten geschaffen 
werden, um diesen Anforderungen möglichst voll- 
kommen entsprechen können. Da es aber anderer- 
seits im Hinblick auf die Forderung möglichst ein- 
flacher Erhaltung der Triebfahrzeuge geboten erschien, 
mit einer geringen Zahl verschiedener Lokomotivbau- 
arten den elektrischen Betrieb zu beginnen, so wurden 
die einzelnen Lokomotivbauarten so ausgebildet, daß 
sie nicht allzu eng an bestimmte Strecken und Dienst- 
zweige gebunden sind. Technische Fortschritte und 
die gerade im Hinblick auf die neue Traktionsart 
selbstverständlich stets steigenden Anforderungen des 
Verkehres hinsichtlich Geschwindigkeit und Belastung 
der Züge führten im Verlaufe der Elektrisierung zum 
Teil zum Übergang auf neue Bauformen, bei 
denen auf Grund der eigenen und der im Auslande 
‘Abb. 3.) Bahnhof Kitzbühel mit Querseilaufhängung, die den Ausblidk nicht behindert 
y» Ar
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.