Eigentum und Erblichkeit.
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eigentum als ein kleines Landstück um das Haus herum, das
man juger nannte, und das nicht größer als ein Viertel
Hektar war.
Aber das Eigentum hat sich nicht auf diese engen Grenzen
beschränkt, die die Hand berühren oder der Blick umfassen
kann. In dem Maße, wie der Pflug den Boden urbar machte,
ist das Eigentum dem Pfluge gefolgt bis zum Ende der Furche,
und dort hat es den geheiligten Grenzstein hingesetzt, den ein
Gott behütet, der Gott Terminus.
Aber wird es diesen Grenzstein, den es selbst hingesetzt
hat, achten? Nein, unersättlich, wird das Eigentum sich end
los ausdehnen, indem es das freie Land in sich aufnimmt,
bis es das Land ganz bedeckt hat. Es wird „Großbcsitz" werden,
nicht nur eine wirtschaftliche, sondern eine politische Ein
richtung, die das Feudalsystem und den Adel schassen wird.
Aber mit welchem Recht? Denn wo es sich um das bewegliche
Eigentum oder sogar um das kleine Grundeigentum handelte —
sei es nun um jene beweglichen Dinge, die der Mensch in seine
Hand nahm, sei es um das von ihm bewohnte Haus, in dem
er seinen Herd gründete und seine häuslichen Götter unter
brachte, sei es um den Flecken Erde, den er mit seiner Pflug
schar bearbeitete — da sah man noch eine materielle Besitzer
greifung, aber in dem Maße, wie sich das Eigentum ausdehnt
und die Erde umfaßt, worauf stützt es sich? Nicht mehr
auf tatsächliche Inbesitznahme kann sich das Eigentum
an gewaltigen Domänen gründen, wie denen Englands,
Rußlands, Italiens, Amerikas, die Tausende Hektar um
fassen, auch nicht mehr auf die Arbeit ihrer Besitzer; denn diese
großen Ländereien sind ihrer Zeit nur durch die Arbeit der
Sklaven, der Leibeigenen oder der Pächter angebaut worden.
Welches sind also die ursprünglichen Rechte auf den Groß
grundbesitz? Es ist die Eroberung. Die Geschichte kann keinen
Zweifel über diesen Punkt bestehn lassen. Die ersten großen
Domänen schuf die Eroberung, zunächst die mit den Waffen,
später die durch Enteignung der ursprünglichen Besitzer, und
zwar vermittelst von Gesetzen, welche die Erobererklasse selbst
geschaffen hat. Die Römer gaben sich in diesem Punkte keinen
Illusionen hin. Das Eigentum am Boden, das sie als das
achtenswerteste ansahn, war das durch den Krieg geschaffene:
Das Wort „quiritisches Eigentum", das bei den Römern das
Eigentum schlechthin bezeichnet, das typische Eigentum, das
Eigentum von Rechtswegen, das ist das Wort, welches den
Mann mit der Soldatenpike bezeichnete. Es war das durch das