Volkswirtschaftslehre in der modernen Wirtschaftstheorie den
von uns stkizzierten Weg praktisch schon einzuschlagen beginnt,
der allein uns der Lösung der gestellten Aufgaben näherzu⸗
bringen vermag.
Die Entwicklung des theoretischen Teiles unserer Diziplin
zu einer Artfunktioneller Wirtschaftstheorie, wie man
sie nennen könnte, liegt aber auch im Zuge der allgemeinen
geistigen Einstellung, der sich unsere Zeit zuzuwenden scheint.
Auch diese geistesgeschichtliche Komponente weist uns in die
kizzierten Bahnen.
Der Gedanke, kausale Zusammenhänge nicht eingleisig,
sondern in allen ihren — schließlich aber auch wieder kausa—
liter zu verstehenden und kausal sich auswirkenden —
Grundbedingungen zu sehen, kommt heute vielfach, in
den Naturwissenschaften wie in den Geisteswissenschaften, mittel—
bar oder unmittelbar, zum Durchbruch. Das fast überall
wiederkehrende Suchen nach neuen Grundlagen der Forschung,
nach neuen Forschungsrichtungen ist ein bedeutsames Symp—
tom unserer Zeit, wie wohl jeder „kritischen“ Epoche etwa
im Sinne August Comtes, das in unserem Falle u. a. eben
sichtlich auf das eben erwähnte Streben hinauskommt.
Um dieses auf einfachste Weise auseinanderzusetzen, möchte
ich an das klare Wort und den klaren Begriff Wundts
von der schöpferischen Resultante erinnern. Ihm zu—
folge sind bekanntlich „jusammengesetzte geistige Gebilde eine
Bereicherung gegenüber der bloß additiven Verbindung der
Einzelelemente“. Ein musikalischer Dreiklang ist etwas anderes,
ist ein Mehr als die bloße Summe von drei Einzeltönen, etwa
der Töne c, e und g. Ganz in der ähnlichen Weise sehen
wir in der Volkswirtschaftslehre die Volkswirtschaft nicht als
bloße Summe von Einzelwirtschaften, sondern als ein Mehr,
als ein qualitativ anders geartetes Etwas, als eine Er—
scheinung sui genéris, als eine der Einzelwirtschaft übergeord—
nete Einheit.
Aber wer wollte leugnen, daß ich dem Wesen etwa des er—
wähnten O-dur-Dreiklanges nur näher komme, wenn ich die
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