Metadata: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule 
So fundamentiert erscheint die Nationalökonomie als das, 
was sie sein soll: als eine beschreibende Wissenschaft. Voll 
ständig will jedoch Leroy-Beaulieu der Geschichte nicht 
entrateli; nicht nur pflegt er jeder Frage, die er behandelt, eine 
kurze historische Skizze vorauszuschicken, sondern er ver 
schmäht auch nicht, die von Roscher und andern gesammelten 
wirtschaftsgeschichtlichen Materialien bei seinen Beweisführungen 
zu verwerten. 
Als wesentliches Resultat seiner Forschungen proklamiert 
er die Existenz permanenter und universeller Gesetze der Volks 
wirtschaft x ). Zu allen Zeiten und an allen Orten haben die 
selben Ursachen, ceteris paribus, dieselben Wirkungen in wirt 
schaftlichen Dingen gehabt. Dieselben Triebfedern des Handelns 
finden sich bei allen Völkern auf allen Kulturstufen 2 ). 
„Jedesmal, wo wir eine wirklich bedeutende Menge gesicherter Tatsachen aus dem 
Altertum besitzen, sehen wir, daß die wirtschaftlichen Beziehungen, mit Aus 
nahme der teilweise unfreien Arbeitsorganisation, sich in ihrem wesentlichen 
Bestände als dieselben darbieten, wie die heutigen. Alles, was man vom Handel 
und Bankwesen in Athen weiß, trägt die hauptsächlichsten Züge der heutigen 
Organisation an sich. Das moderne Eigentum ist genau dasselbe, wie das der 
alten Römer, und de Laveleye glaubte das Eigentum der heutigen zivilisierten 
Völker nicht besser kennzeichnen zu können, als indem er es quiritisches Eigen 
tum nannte“ . . . Traité, Bd. I, p. 41. 
0 „Indem ich alle diese Hilfsmittel heranzog (Le Playsche Beobachtungen 
sowie insbesondere Roschers historisches Material), indem ich außerdem alle 
Aufschlüsse benutzte, die mein Eifer für Kolonisation mir verschaffte, bin ich 
immer mehr zur Überzeugung gekommen, daß es positive, permanente und 
universelle Gesetze gibt, welche die Mitwirkung der menschlichen Anstrengung 
bei der Produktion, sowie die Güterverteilung regeln.“ Traité, Bd. I, p. 94. 
2 ) Leroy-Beaulieu legt ein besonderes Gewicht darauf , daß es neben dem 
Eigennutz noch andere Triebfedern des menschlichen Handelns gebe. Jedoch 
sind die von ihm angeführten weniger solche, welche das wirtschaftliche, erwerbs 
tätige Handeln der Menschen bestimmen, als vielmehr allgemeine, ethische Ge 
sichtspunkte, insbesondere solche, welche für die Konsumtion erworbener Güter 
maßgebend sind. Z. B. „Andere Triebfedern des menschlichen Handelns exi 
stieren neben dem persönlichen Interesse, entwickeln sich mit der Zeit sogar 
vielleicht mehr als dieses: so die religiösen Überzeugungen, die Hoffnung auf 
ein anderes Leben, der feste Vorsatz, dieses durch gute Handlungen zu verdienen; 
oder einfach die Sympathie, die Freude, in den Augen der Mitmenschen oder 
in den eigenen edel zu erscheinen ; das Streben nach Auszeichnung, nach ge 
wissen Ehren ; eine Art Luxus, welcher in der Moralisation, Erziehung, Unter 
stützung anderer seinen Ausdruck sucht . . . Eine ganze Reihe von Gefühlen, 
welche in ihrem Uneigennützigkeitsgrad sehr nüanziert sind, aber alle in dem
	        
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