Metadata: Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

38 
Der auf die hier gekennzeichnete verschiedenartige 
Weise entstehende Anteil des Nationalreichtums am Welt 
reichtum kann selbstverständlich »bald grösser, bald kleiner 
sein« 1 ) und muß offenbar, um uns merkantilistich auszu 
drücken, in einer günstigen oder ungünstigen Handels 
bilanz seinen Ausdruck finden. 
Doch ist zu bemerken, dass Kankrin wohl den Aus 
druck »Handelsbilanz« schon im »Weltreichtum« hie und 
da gebraucht, aber eine weitere Erklärung dieses Zentral 
begriffes des Merkantilismus nicht gibt. Überall da, wo 
vom Anteil am Weltreichtum gesprochen wird, scheint der 
Begriff der Handelsbilanz immer vorausgesetzt zu sein, als 
bedürfte er keiner näheren Erörterung. Erst in der »Öko 
nomie« wird die Handelsbilanz besonders behandelt. »Die 
Handelsbilanz — heisst es da — ist dasjenige Verhältnis, 
wenn aus der Vergleichung aller ausgeführten und einge 
führten Werte, nach Ablauf des Jahres, für eine Nation ein 
plus oder minus herauskommt, also eine günstige oder 
ungünstige Handelsbilanz.« 2 ) 
»Eine günstige Handelsbilanz vermehrt das Kapital 
der Nation«, sagt Kankrin 3 ), und deshalb sei sie besonders 
jungen Nationen sehr notwendig. Eine ungünstige Bilanz 
dagegen sei sehr zu meiden, da sie das Kapital des Landes 
vermindere und mit edlen Metallen oder Geld ausgeglichen 
werden müsse. Hier warnt aber Kankrin davor, bei der 
Herausrechnung der Handelsbilanz in einen Irrtum zu ver 
fallen, denn »edle Metalle, ja gemünztes Gold . — . — . 
sind nicht selten Ware, weil die Nation sie über Bedarf 
produziert« 4 ). Es sei deshalb »nicht immer leicht zu ent 
scheiden, wie viel davon Ware oder Saldo für eine ungün 
stige Bilanz« sei. 
Immerhin müsse jeder Staat stets nach einer günstigen 
Bilanz streben und sie durch verschiedene Maßregeln besser 
») Weltr. 2- — 2 ) Ök. 246. — Ök. 248. — 4 ) Ök. 248-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.