Einleitung.
sehr ungleicher Weise geeignet, den geldwirtschaftlichen Fort—
schritt in sich aufzunehmen und zu verkörpern.
Die Territorien blieben hier naturgemäß im Rückstand;
nur mühsam warfen sie die alte feudale Staatsform, unter der
auch sie noch teilweis entstanden waren, ab und suchten den
neuen Beamtenstaat unter fürstlicher Obergewalt zu verwirklichen;
und erst die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts ermöglichte ihnen
durch das Aufkommen juristischer Laienbildung langsam die
Rekrutierung ihrer Beamten aus anderen, als den natural—
wirtschaftlichen Kreisen des einheimischen Adels. So vermochten
sie sich sogar im äußeren politischen Wettbewerb anfangs nur
mühsam gegen die potenziell viel weniger mächtigen Städte zu
halten; erst seit der Mitte des 15. Jahrhunderts etwa war
ihr Übergewicht mit einiger Sicherheit entschieden, und erst
seit der Wende des 15. und 16. Jahrhunderts erreichten ihre
Fürsten mit mehr oder weniger Klarheit das Verständnis für
eine auf geldwirtschaftlichen Grundlagen zu entwickelnde Lebens—
führung und Herrschaft.
Ganz anders die Städte. War die territoriale Entwick—
lung übermäßig langsam, so muß die städtische Entwicklung
als überhastet, als hypertrophisch bezeichnet werden. Hier, in
räumlich eng begrenzten Kreisen, machten sich all die Be—
strebungen einer nach vorwärts gerichteten Volkswirtschaft
geltend; hier trafen sich in fast zu klein abgemessenen Brenn—
punkten alle höheren Wirtschaftsneigungen der Nation. Und
gleichzeitig setzte seit dem 18. Jahrhundert eine Verschiebung
der internationalen Handelsverhältnisse ein, die Deutschland
bis tief ins 15. Jahrhundert hinein zum Centrum auch mehr
als nationaler geldwirtschaftlicher Bestrebungen machte: die
heimische Entwicklung, an sich übersäftig und geil, wurde noch
weiter angefacht durch fremden Einfluß.
Die Folge war ein völliger Dualismus in der bisher ein—
heitlichen nationalen Entwicklung. Wir haben hier nicht seine
schweren wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen im einzelnen
zu betrachten; es wird davon gelegentlich der bäuerlichen Be—
wegung des 15. und 16. Jahrhunderts, sowie auch sonst noch