Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Siebter Abschnitt. 
über die gewöhnliche Zufuhr von Arbeit hinauszuwachsen, wo also 
Lohnsteigerung eintritt. Klage hierüber ertönt in England während 
des ganzen 15. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die 
mehr oder minder günstigen Umstände, worin sich die Lohnarbeiter 
erhalten und vermehren, ändern jedoch nichts am Grundcharakter 
der kapitalistischen Produktion. Wie die einfache Reproduktion 
fortwährend das Kapitalverhältnis selbst reproduziert, Kapitalisten 
auf der einen Seite, Lohnarbeiter auf der andern, so reproduziert 
die Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter oder die Akkumulation 
das Kapitalverhältnis auf erweiterter Stufenleiter, mehr Kapitalisten 
oder größere Kapitalisten auf diesem Pol, mehr Lohnarbeiter auf 
jenem. Man sah früher bereits: Die Reproduktion der Arbeitskraft, 
die sich dem Kapital unaufhörlich als Verwertungsmittel einverleiben 
muß, nicht von ihm loskommen kann, und deren Hörigkeit zum 
Kapital nur versteckt wird durch den Wechsel der individuelle” 
Kapitalisten, woran sie sich verkauft, bildet in der Tat ein Moment 
der Reproduktion des Kapitals selbst. Akkumulation des Kapitals 
ist also Vermehrung des Proletariats.?! 
Die klassische Oekonomie begriff diesen Satz so wohl, daß 
A. Smith, Ricardo usw., wie früher erwähnt, die Akkumulation sogar 
Fälschlich gleichsetzen mit Konsum des ganzen kapitalisierten Teiles 
des Mehrprodukts durch produktive Arbeiter, oder mit seiner Ver 
wandlung in zuschüssige Lohnarbeiter. 
Schon 1696 sagt John Bellers: „Wenn jemand 100 000 Acres hätt® 
und ebenso viele Pfunde Geld und ebenso viel Vieh, was wäre der 
reiche Mann ohne den Arbeiter außer selbst ein Arbeiter? Und 
wie die Arbeiter Leute reich machen, so desto mehr Arbeiter, dest0 
mehr Reiche. . . . Die Arbeit des Armen ist die Mine des Reichen.“ 
1 Karl Marz: „Lohnarbeit und Kapital“ [Ausgabe Berlin 19% 
S. 28.] — „Bei Gleichheit der Bedrückung der Massen ist ein Land U” 
so reicher, je mehr Proletarier es besitzt.“ (Colins: „L’Economie Politiqu® 
Source des Revolutions et des Utopies pretendues Socialistes. Par® 
1857“, vol. III, p. 381.) Unter „Proletarier‘“ ist ökonomisch nichts zu ver 
stehen als der Lohnarbeiter, der „Kapital“ produziert und verwertet und 
aufs Pflaster geworfen wird, sobald er für die Verwertungsbedürfnisse des 
„Monsieur Capital“, wie Pecqueur diese Person nennt, überflüssig ist. „Der 
kränkliche Proletarier des Urwalds“ ist ein artiges Roschersches Hi! 
zespinst. Der Urwäldler ist Eigentümer des Urwaldes und behandelt 4er 
Urwald, ganz so ungeniert wie der Orang-Utan, als sein Eigentum. Er ta 
also nicht Proletarier. Dies wäre nur der Fall, wenn der Urwald ihn, staß 
er den Urwald ausbeutete. Was seinen Gesundheitszustand betrifft, steh 
solcher wohl den Vergleich aus nicht nur mit dem des modernen Proletarier® 
sondern auch dem der syphilitischen und skrophulösen „Ehrbarkeit“. DD 
versteht Herr Wilhelm Roscher unter Urwald wahrscheinlich die stam” 
verwandte Lüneburger Heide. 
1696: 72 Te Bellers: „Proposals for raising a Colledge of Industry. Londo® 
* p. 2.
	        
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