fullscreen: Oekonomik der Transformationsperiode

diese Beziehungen auch haben mögen, so ist klar, daß diese 
Formel gerade deswegen untauglich ist, weil sie zu allgemein 
ist, weil sie gesellschaftliche Strukturen umfaßt, die ihrer 
Klassencharakteristik nach direkt entgegengesetzt sind. 
Wenn wir jetzt zum Staatskapitalismus übergehen, so 
werden wir sehen, daß der Staatskapitalismus eine ganz 
spezifische und rein historische Kategorie ist, ungeachtet 
dessen, daß er sowohl eine „soziale Rationalistik" als auch 
eine „antichrematistische Tendenz" aufweist. Denn er bildet 
zugleich eine Abart, die „vollkommenste" Abart des Kapita 
lismus. Das grundlegende Produktionsverhältnis der kapita 
listischen Ordnung ist das Verhältnis zwischen dem Kapita 
listen, der die Produktionsmittel besitzt, und dem Arbeiter, def 
seine Arbeitskraft an den Kapitalisten verkauft. Es ist un* 
möglich, ja absurd, dieses grundlegende Klasscnmcrkmal bei der 
Betrachtung der staatskapitalistischen Struktur außer acht 
zu lassen. Vom Standpunkt des Wechselvcrhältnisses der 
sozialen Kräfte stellt der Staatskapitalismus die potenzierte 
Macht der Bourgeoisie dar, wo die Herrschaft des Kapitals ihre 
höchste Kraft, eine wahrhaft ungeheuerliche Stärke erreicht.*) 
Mit anderen Worten; der Staatskapitalismus ist die Rationali 
sierung des Produktionsprozesses auf Grund der antagonisti 
schen sozialen Beziehungen und der Herrschaft des Kapitals, 
die ihren Ausdruck findet in der Diktatur der Bourgeoisie. 
Da der Staatskapitalismus ein Verwachsen des bürgerlichen 
Staates mit den kapitalistischen Trusts ist, so ist evident, daß 
von keinerlei „Staatskapitalismus" die Rede sein kann bei der 
Diktatur des Proletariats, die eine solche Möglichkeit prinzipiell 
ausschließt.**) 
‘) Vergl. unseren Artikel: „Einige Grundbegriffe der modernen Oeko- 
nomie" im „Kommunist" vom 16. Mai 1918, Nr. 3, S. 9 (russisch). 
**) Dieser scheinbar so klare Gedanke blieb vielen Genossen unklar. 
So schrieb r. B. Gen. Zyperowitsch in seiner bereits zitierten Arbeit über 
9 Bucharln: Oekonomik. 
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