Full text : Finanzwissenschaft

284

4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

wenn  es  bloß  der  Erhaltung  eines  Menschen,  z.  B.  eines  Junggesellen ­
  dient,  als  wenn  es  einer  zahlreichen  Familie  die  Erhaltung
sichern  soll.  4.  Der  Wohnort,  denn  von  demselben  Einkommen
wird  die  Bedürfnisbefriedigung  in  der  Stadt  einen  größeren  Teil
in  Anspruch  nehmen,  als  auf  dem  Lande.  5.  Der  Familienstand,
insofern  als  Waisen,  Witwen  gewisse  Schonung  verdienen.
Ein  einfaches  Beispiel  zeigt  die  Dichtigkeit  des  Prinzipes  der
Progression.  Ein  Gewerbsmann,  der  10000  Mark  im  Jahre  verdient, ­
  wird  dem  Staate  nur  wenig  Opfer  zu  bringen  imstande  sein
und  fünf  Gewerbsleute,  von  denen  einzeln  jeder  10000  Mark  verdient, ­
  also  insgesamt  50000  Mark,  werden  dem  Staate  gleichfalls
nur  wenig  zu  opfern  imstande  sein.  Wenn  wir  dagegen  einen
solchen  Gewerbsmann  nehmen,  der  allein  50000  Mark  verdient,  so
werden  wir  finden,  daß  derselbe  weit  mehr  zu  opfern  vermag,  als
die  obigen  fünf  Gewerbsleute  zusammengenommen.  Dieser  Tatsache
gab  schon  Friedrich  der  Große  Ausdruck,  als  er  sagte,  daß  ein
reicher  Mann,  der  ein  Einkommen  von  5000  Taler  besitzt,  auch  die
Hälfte  dieses  Einkommens  als  Steuer  bezahlen  kann,  da  er  noch
immer  seinen  Lebensbedarf  decken  könnte,  während  Jemand,  dessen
Einkommen  bloß  80  Taler  beträgt,  viel  opfern  würde,  wenn  er  einen
Taler  Steuer  bezahlen  würde.
Eine  der  schwierigsten  Aufgaben  der  Steuerpolitik  ist  die
richtige  Festsetzung  des  Steuerschlüssels.  Wenn  der  Staat  keine
Rücksicht  nimmt  auf  die  Verschiedenheit  der  in  verschiedenen  Einkommen ­
  ruhenden  Steuerkraft,  also  große  und  kleine  Einkommen
proportioneil,  also  mit  dem  gleichen  Steuerfuß  besteuert,  dann
können  zwei  Fälle  eintreten :  entweder  geht  der  Staat  von  der
größeren  Leistungsfähigkeit  der  größeren  Einkommen  aus,  wodurch
er  die  kleinen  Einkommen  übermäßig  belastet,  oder  er  geht  von
den  kleinen  Einkommen  aus,  dann  unterläßt  er  es  wieder,  die  großen
Einkommen  entsprechend  in  Anspruch  zu  nehmen.  Und  in  letzterem
Falle  werden  die  kleinen  Einkommen,  trotzdem  ihre  Leistungsfähigkeit ­
  zum  Ausgang  genommen  wird,  im  Übermaße  in  Anspruch  genommen, ­
  denn  wenn  der  Staat  die  volle  Leistungsfähigkeit  der
großen  Einkommen  in  Anspruch  nehmen  würde,  dann  würde  die
Steuerlast  der  kleinen  Einkommen  sich  mindern.  Überdies  sind
hier  noch  andere  Momente  in  Betracht  zu  ziehen.  Vor  allem,  daß
die  genaue  Festsetzung  der  großen  Einkommen  schwieriger  ist,  als
die  der  kleinen  Einkommen,  bei  welchen  das  Minimum  der  Existenzkosten ­
  als  Stützpunkt  dient.  Ferner,  daß  wegen  der  häufigen  Unregelmäßigkeit ­
  der  kleinen  Einkommen  die  Opfer  dieser  Steuerträger
größer  sind,  schon  wegen  der  geringeren  Kenntnis  der  Gesetze,  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.