23.
Deutsche Wasserstraßenpolitik”.
Von Regierungsrat Dr. Werner Teubert, Potsdam.
Schon vor dem Weltkriege gingen die Bestrebungen in Deutsch-
land planmäßig dahin, die Wasserstraßennetze durch Ausbau der
Ströme und ihre Verbindung durch leistungsfähige Kanäle immer
weiter auszugestalten, um den Güteraustausch innerhalb Deutschlands
und mit dem Ausland durch billige Verkehrswege zu erleichtern und
um insbesondere den stark anwachsenden Massengutverkehr durch
Schaffung leistungsfähiger Verkehrsmittel zu ermöglichen. So standen
Deutschlands Wasserstraßen, denen die technischen Fortschritte im
Wasserbau und Schiffbau in hohem Maße zugute kamen, nach ihrem
Zustand und ihren Verkehrsleistungen vorbildlich da, auch gegenüber
Frankreich und Belgien, die zwar verhältnismäßig ausgedehntere
Kanalnetze geschaffen, sie jedoch den Anforderungen der Neuzeit nicht
so weit angepaßt hatten, daß sich ein annähernd so umfangreicher Ver-
kehr vollzog wie auf den deutschen Wasserstraßen, Der Krieg und
seine Folgen ließen jedoch in Deutschland die Erkenntnis des volkswirt-
schaftlichen Wertes der Wasserstraßen erst in weiteste Kreise des
Volkes dringen. Angesichts der ungünstigen wirtschaftlichen und
finanziellen Lage mußte man mehr als früher danach streben, die
Bodenschätze weitgehend nutzbar zu machen, die Gütergewinnung und
den Güteraustausch und insbesondere die Ausfuhr mit aller Kraft zu
fördern, So entstanden die zahlreichen neuen Wasserstraßenpläne, die
zum Teil in Angriff genommen werden konnten, zumal sie mit der
Schaffung eines billigen Verkehrsweges auch die Gewinnung bedeuten-
der Wasserkräfte verbinden, die nach Verlust der Kohlengebiete an der
Saar und in Oberschlesien zur Verbilligung der elektrischen Energie
besonders dringend geboten ist, Diese regen Bestrebungen zur
") Umfassende Darstellungen über Wesen und Bedeutung von Wasserstraßen
und Binnenschiffahrt geben u. a. die Werke von O, Teubert: „Handbuch der Binnen-
schiffahrt‘, Wilhelm Engelmann, Leipzig 1912 und 1918, — Sympher: „Die Wasser-
wirtschaft Deutschlands und ihre neuen Aufgaben‘, Reimar Hobbing, Berlin, 1921.
(Neuer Band 1925 herausgegeben von Soldan). — E. Mattern: „Die Wasserstraßen",
Wilhelm Engelmann, Leipzig, 1922.