fullscreen : Die Entwicklung der Weißgerberei

259

bewußtseins  darstellt,  nach  Vortragung  ihrer  Verhältnisse  Recht  zu
nehmen.  So  hatten  sich  z.  B.  zwei  Meister  zu  Rothenburg  beleidigt,
es  war  ihnen  das  Handwerk  gelegt  worden,  man  hatte  sie  mit  Gefängnis
bestraft  und  der  Bürgerschaft  entsetzt;  da  erschienen  die  beiden  Meister
1571  in  Frankfurt,  trugen  ihre  Angelegenheit  vor,  und  nun  künden
die  „Meister  und  Gesellen  des  großen  handtwercks  der  Weißgerber
allhie  zu  Frankfurt  am  Main  .  .  .  allermenniglich  mit  diesem  Brief",
daß  sich  die  beiden  Meister  vertragen  haben  und  daß  sie  restituiert  und
in  den  vorigen  Staudt  gesetzt  seien  *).  1613  hatte  sich  „irrung  oder
zwifals"  zwischen  den  Säcklern  und  Weißgerbern  zu  Rothenburg  o.  d.
Tauber  ergeben,  und  nun  ergeht  abermals  von  Frankfurt  aus  ein
Bescheid,  welcher  den  Streit  schlichtet,  und  welcher  mit  folgenden  Worten
beginnt:  „Wier  zunnfft  sämbtliche  meister  vnndt  gesellenn  des  großen
weißgerberhanntwergs  zu  Frankfurt  am  Mahn,  in  die  Siebenntzig  Personen, ­
  ann  inheimischenn  und  außlandischenn  meistern  vnndt  gesellenn
vorsamlet"^);  man  sieht,  es  ist  der  Ton  der  Obrigkeit,  welcher  hier
spricht,  und  welcher  sich  keiner  höheren  Macht  ohne  weiteres  zu  fügen
gewillt  ist;  1614  beschweren  sich  auch  die  Rothenburger  Weißgerber
über  die  Nestler  und  Säckler,  daß,  als  sie  einem  Ratsbescheid  nicht
nachgeben  wollten,  die  Säckler  au  das  große  Handwerk  gelaufen  seien,
dort  den  Bescheid  reformiert  und  ihnen  große  Unkosten  verursacht
hätten^).  1648  erschien  in  Frankfurt  ein  Meister  aus  Lohr  vor  der
großen  Handwerksversammlung 4 ),  und  noch  1774  schicken  die  Arauer
Weißgerber  ein  Zirkular  nach  Augsburg  „mit  dem  beständigen  Ansuchen,
daß  solches  von  einer  Laad  zur  andern  über  Schaffhausen  ganz  Schwäbischen ­
  Creyß  bis  Nürnberg  circuliere"  und  möglichst  bald  zurück  erwartet ­
  werde,  damit  an  der  Zurzacher  oder  Frankfurter  Messe  über
den  Inhalt  des  Schreibens  ein  Beschluß  gefaßt  werden  könne  °).  In
einem  Würzburger  Schreiben  aus  der  Mitte  des  17.  Jahrhunderts
wird  Miltenberg  als  Ort  für  die  alljährliche  Zusammenkunft  der
Meister  vorgeschlagen,  da  es  in  der  Mitte  des  Obererzstiftes  Mainz
gelegen  sei  H,  kurz,  man  sieht  aus  diesen  Beispielen,  es  waren  interurbane
  Schiedshöfe  entstanden,  welche  immer  noch  das  letzte  Wort
hatten,  wenn  zwei  Meister  in  Rothenburg  bereits  vor  der  ordentlichen
weltlichen  Gerichtsbarkeit  abgeurteilt  waren,  welche  Meinungsverschiedenheiten ­
  zwischen  den  Zünften  oder  Handwerken  verschiedener  Städte  zum
Austrage  brachten,  welche  nicht  nur  gegen  den  Willen  eines  Reichstags-J
 )  Rothenburg  1571—1695;  1571.
a )  Rothenburg  1571—1695;  1613.
s )  Rothenburg  1571—1695;  1614,  32.
4 )  Würzburg,  V,  S.  2028,  anno  1848.
°)  Augsburg  1722—1728;  1774.  °)  Würzburg  1660—1683.
17*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.