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ERSTER TEIL: GEOGRAPHISCHE GÜTERLEHRE
Der Hauptabnehmer der auf den Weltmarkt gebrachten Kakao-
menge ist die Union, die in den letzten Jahren mehr als ein Drittel
der Gesamternte bezog. An zweiter Stelle stehen Deutschland
und England. In Deutschland hat der Kakaogenuß in der letzten
Zeit erheblich zugenommen. In den Jahren 1886 bis 1890 betrug
der jährliche Kakaoverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung 100 g,
i.J. 1912: 810g, 1921: 1,6 kg, um 1924 wieder auf 1.4kg und 1926
auf rund 1kg zu sinken. Während früher unser Hauptbezugsland für
Kakao Ecuador war, ist jetzt Britisch-Westafrika an seine Stelle ge-
treten, das 1927 fast drei Viertel unseres Bedarfes deckte. Auch
Holland, Frankreich und die Schweiz sind wichtige Käufer. Eine
Berechnung des Verbrauchs für den Kopf der Bevölkerung ergibt die
größten Zahlen für die Niederlande (1926: 6,4 kg), doch erzeugt die
holländische Kakaoindustrie vor allem Kakaopulver und Kakaobutter
ür die Ausfuhr.
TEE
Während Kaffee und Kakao Bewohner der eigentlichen Tropen
sind, ist der Tee ein echter Sohn der Monsunländer, die seine
<limatischen Ansprüche am besten erfüllen.
Hinsichtlich der Wärmeverhältnisse ist die Teepflanze nicht sehr anspruchs-
voll und verträgt sogar Temperaturen unter Null. Dagegen verlangt sie nicht
aur reichliche (im Jahresmittel nicht unter 2000 mm) und möglichst gleich-
mäßig über das ganze Jahr verteilte Niederschläge, sondern auch hohe Luft-
leuchtigkeit. Andrerseits kann sie stehendes Grundwasser nicht vertragen, da-
her ist hügeliges Gelände zu ihrer Kultur am besten geeignet. Der Boden muß
locker, durchlässig und tiefgründig sein, Kalkboden ist für den Teebau nicht
geeignet. Die mühevolle Arbeit erheischende Teekultur hat, um lohnend zu
sein, billige Arbeitskräfte, also eine dichte, wenig anspruchsvolle Bevölkerung
zur Voraussetzung.
Fast den gesamten auf den Weltmarkt kommenden Tee liefern
{ndien und Java, China und Japan. Während aber in Ostasien
Teekultur und Teegenuß uralt sind und der Teestrauch schon i. J.
2700 v. Chr. urkundlich erwähnt wird, sind die Plantagen Indiens,
die erst von den Engländern angelegt wurden, noch nicht hundert
Jahre alt. Nach Europa wurde der erste Tee durch Schiffe der Hol-
ländisch-Indischen Kompagnie um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein-
geführt. — In China wird der Tee überall zwischen dem 22. und
31. Breitenkreis gebaut, also in den südlichen und mittleren Pro-
vinzen. Der Schwerpunkt der Erzeugung liegt um Hankau am
Jangtsekiang. Die wichtigsten Verschiffungshäfen sind Hankau, Schang-
hai und im Süden Kanton, dessen Ausfuhr aber über Hongkong
geht. — In Japan ist die Teekultur im mittleren Teil der Insel Nip-
pon, vor allem im Bezirk Schitsuoka westlich von Tokio verbreitet und
reicht bis an die nördliche Grenze der Monsunzone, d. h. bis wenig
nördlich der Hauptstadt. Die feinsten Sorten werden aber auf der
insel Formosa erzeugt.
Die anfänglichen Versuche, chinesische Teesträucher in Vorderindien
anzupflanzen, mißlangen. Erst als man in Indien wildwachsende, also
ainheimische Sorten zur Kultur heranzog, konnte sich der indische