110 ERSTER TEIL: GEOGRAPHISCHE GÜTERLEHRE
ihre Kolonien, dem Baumwollanbau zu erschließen. So wurden Britisch-
Indien (1926/27: 14%) und Ägypten (6 %) die beiden nächstwich-
tigen Erzeugungsländer. Chinas Erzeugung, die etwa der Ägyptens
gleichkommt, spielt im Welthandel nur eine geringe Rolle. Andere
europäische Kolonialstaaten folgten dem Beispiele Englands, so auch
Deutschland, das in Ostafrika, Togo und Neuguinea Baumwollpflanzungen
anlegte.
Trotzdem wird die Union ihr Übergewicht immer behalten, denn
von ihrem für Baumwollanbau geeigneten Gebiete ist bisher erst etwa
der zwanzigste Teil unter Kultur genommen. Der amerikanische Baum-
wollgürtel liegt im allgemeinen südlich des 37. Breitenkreises und östlich
des 100. Längenkreises!, umfaßt also die Südoststaaten der Union, in
denen die Neger- und Mulattenbevölkerung einen sehr beträchtlichen
Anteil der Gesamtbevölkerung ausmacht. Die Neger stellen nicht nur
bei weitem die Hauptmasse der Arbeiter in den Baumwollfeldern, son-
dern sind auch in großer Zahl als Eigentümer und besonders als Pächter
der Baumwollfarmen. beteiligt. Nur in Texas sind auch viele Weiße
im Baumwollanbau beschäftigt. Die amerikanische Baumwollerzeugung
breitete sich im Laufe des 19. Jahrhunderts von den atlantischen Ost-
staaten immer mehr westwärts aus. Ihre drei Hauptgebiete liegen heute
in den Landschaften südlich und südöstlich der Ap palachen (Carolina,
Georgia, Alabama), in der Mississippiniederung und in der „schwarzen
Prärie“ von Texas und Süd-Oklahoma, die gegenwärtig ein reich-
liches Drittel der amerikanischen Ernte erzeugt. Galveston ist daher
der wichtigste Ausfuhrhafen für amerikanische Baumwolle, neben ihm
New Orleans für das mittlere, Savannah und Norfolk für das
östliche Gebiet. Houston, eine kurze Strecke landein von Galveston
gelegen, wurde als Sammel- und Hauptdurchgangspunkt für den ameri-
kanischen Baumwollhandel der erste binnenländische Baumwollmarkt der
Erde, neben dem Memphis und St. Louis wichtige Zentralmärkte sind.
Seit kurzem hat Houston durch einen Seekanal eigene Verbindung zum
Meere und tritt damit auch als KExporthafen in den Wettbewerb ein.
Bei weitem der größte Teil der in den Vereinigten Staaten erzeugten
Baumwolle gehört der sogenannten „Upland“-Baumwolle an, die beste
Qualität aber liefert die „Sea Islan d“-Baumwolle, die an den süd-
östlichen Küsten und auf den vorliegenden Inseln gezogen wurde,
deren Kultur aber. jetzt durch die Verwüstungen des Baumwollkäfers
ganz vernichtet zu sein scheint. In Arizona und Südkalifornien werden
neuerdings unter Zuhilfenahme künstlicher Bewässerung kleine Mengen
ägyptischer Baumwolle gebaut.
Der amerikanische Baumwollanbau verlangt jetzt in den durch die langjährige
„Monokultur“ erschöpften östlichen Gebieten schon starke künstliche Düngung
(Deutsches Kali!). Er ist mancherlei Gefahren durch Wetterschäden, Krankheiten
der Pflanzen und tierische Schädlinge ausgesetzt. Der gefährlichste Feind ist
seit einigen Jahrzehnten der Baumwoll-Rüsselkäfer („Cotton Boll Weevill“), der
in den neunziger Jahren von Mexiko einwanderte und gegenwärtig fast über
den ganzen Baumwollgürtel verbreitet ist. Besonders verheerend war der Ein-
bruch des Schädlings in die Sea-Island-Baumwollbezirke des Südostens. Neuer-
1 Westlich von diesem genügt die Jahresregenmenge nicht mehr (vgl. Abb. 85).