Einleitung
wesentlichste Grund, warum trotz der eben dargelegten Dreiteilung
in Bevölkerungsstatistik, Bevölkerungstheorie und Bevölkerunpspolitik
die folgende Darstellung nicht auf dieser Dreiteilung aufbaut. Bevölkerungstheorie
und Bevölkerungsstatistik hängen allzu eng miteinander
zusammen, sie durchdringen sich zu sehr, als daß es möglich wäre,
beide in der Darstellung vollkommen auseinander zu halten. Es
wäre vielleicht zweckmäßig, eine Bevölkerungslehre mit einem einleitenden
Abschnitt zu beginnen, der lediglich die Tatsachen der
Bevölkerung darstellt, also vor allem das zu geben, was wir den
Forschungen der Bevölkerungsstatistik zu verdanken haben. Es
wäre das deshalb zweckmäßig, weil eine solch zusammenhängende
Darstellung der Tatsachen dem Leser ein geschlossenes Bild von der
Gliederung und dem Gang der Bevölkerung geben würde. Einem
solchen Vorgehen stünde jedoch das schwere Bedenken gegenüber,
daß dann in dem eigentlich theoretischen Teil, in dem in erster
Linie die Bevölkerungserscheinungen in ihren Beziehungen zu anderen
Faktoren, vor allem zu Wirtschaft und Gesellschaft, darzustellen und
damit zu erklären sind, stete Wiederholungen unvermeidlich wären.
Aus diesem Grunde können Bevölkerungstheorie und Bevölkerungsstatistik
nicht voneinander getrennt behandelt werden.
Bei dem bis jetzt Besprochenen hat es sich lediglich darum
gehandelt, zu zeigen, in welche Teile sich eine Bevölkerungslehre
äußerlich gliedert. Will man jedoch — was die Aufgabe dieses einleitenden
Abschnittes ist — Gegenstand und Wesen der Bevölkerungslehre
bestimmen, dann ist es auch erforderlich, ihren Inhalt sachlich
zu umschreiben und so die Bevölkerungslehre anderen Wissensgebieten
gegenüber abzugrenzen.
Will man möglichst allgemein und umfassend das Arbeitsgebiet
der Bevölkerungslehre inhaltlich beschreiben, so kann
man von drei Aufgabenkreisen derselben sprechen: einem. biologischen,
einem öÖkonomischen und einem soziologischen.
Die biologische Seite der Bevölkerungslehre hat es vor
allem mit denjenigen Erklärungen und Zusammenhängen der Bevölkerungsvorgänge
zu tun, die einen biologisch-anthropologischen
Charakter tragen. Hierher gehören z. B. Fragen über die Sexualproportion
der Geborenen oder die bereits erwähnte Lehre Spencets
über den Einfluß der geistigen Entwicklung auf die Fortpflanzungsfähigkeit.
Man würde weiter hierher vielleicht die Einwirkungen
der Auslese auf die Beschaffenheit der Menschen, also
Fragen des qualitativen Bevölkerungsproblems, rechnen können.
So gibt es mancherlei Erscheinungen der Bevölkerung, die mehr