Object: Theoretische Sozialökonomie

8 58., Die Regulierung des Preisniveaus durch den Bankzins. 445 
Gold, bzw. ausländischen Devisen aus den Reserven der Banken wird 
im Verkehr die Nachfrage nach Gold vermindert und das Angebot 
vermehrt. Dies wirkt in Zeiten besonders starker Nachfrage nach 
Zahlungsmitteln als ein Hindernis gegen eine Steigerung des Gold- 
wertes und bei zufälliger Steigerung des allgemeinen Preisniveaus, 
also Sinken des Geldwertes, als eine entsprechende zufällige Herab- 
setzung des Goldwertes. Nur wenn Zahlungsmittel in solcher Weise 
dem Verkehr zur Verfügung gestellt werden, läßt sich eine Parität 
des Geldes mit dem Golde aufrechterhalten. 
Es ist also tatsächlich möglich, durch die jetzt angegebenen Mittel 
den Geldwert eines Landes in gleicher Höhe wie den Wert eines ge- 
wissen Metalls zu halten oder, genauer ausgedrückt, den Preis eines ge- 
wissen Metalls in der Währung des Landes wenigstens innerhalb ge- 
wisser enger Grenzen festzulegen. Diese Festlegung des Preises eines 
Metalls, nämlich des Goldes, haben wir ($ 42) als das zentrale Moment 
bei der Goldwährung dargestellt. Dieses Moment unterscheidet die 
Goldwährung von der freien Währung. Auch bei Goldwährung hat 
die Valuta, z. B. die Markvaluta, ihre selbständige Existenz. Nur 
wird sie an das Metall Gold durch die Bedingung gebunden, daß der 
Preis des Goldes innerhalb gewisser Grenzen fixiert sein Soll. 
Die Regulierung der Valuta wird mit Rücksicht auf diese Bedingung 
durch den Bankzins und durch Ausnutzung der Reserven der Banken 
durchgeführt. 
Die Goldwährung kann demnach als eine freie Währung, bei 
welcher der Goldpreis innerhalb gewisser Grenzen festgelegt ist, auf- 
gefaßt werden. Diese Festlegung des Goldpreises: wird für sekuläre 
Perioden durch Regulierung des allgemeinen Preisniveaus nach der 
Goldversorgung, für kürzere Perioden umgekehrt durch Regulierung 
des Goldmarkts nach dem allgemeinen Preisniveau erreicht. 
Nun kann man fragen: in welchem Maße wird das allgemeine 
Preisniveau durch eine Zinspolitik, welche die Aufrechterhaltung der 
Goldparität als ihr Ziel setzt, beherrscht ? Die Antwort ist durch unsere 
obigen Untersuchungen gegeben: es gelingt dieser Zinspolitik, das all- 
gemeine Preisniveau in seinen sekulären Variationen nach der Gold- 
versorgung der Welt, also in Übereinstimmung mit einem ausschließlich 
durch diese Goldversorgung nach der Quantitätstheorie bestimmten 
Preisniveau zu regeln. Dagegen ist es den Banken nicht gelungen durch 
ihre Zinspolitik ‚„,jährliche‘‘ Variationen des allgemeinen Preisniveaus 
zu verhindern. 
Eine Zinspolitik, die auf Goldparität der Valuta, also auf einen 
konstanten Goldpreis zielt, wird also ein Preisniveau mit sekulären 
Variationen im umgekehrten Verhältnis zum Goldwert und außerdem 
mit gewissermaßen selbständigen jährlichen Variationen erreichen. Es 
dürfte kaum zu kühn sein, daraus zu schließen, daß eine Zinspolitik,
	        
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