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Die Gerechtigkeit des Heilmittels.
Buch VII.
sich ihre großen Güter herauszuschneiden. Durch die Nacht, rnit der
das Große das Kleine anzieht, zerquetschten diese großen Güter schließ
lich — trotz zeitweiliger Gnadenfristen, die durch gesetzliche Beschrän
kungen und wiederholte Teilungen geboten wurden — alle die schwachen
Besitzer; ihre kleinen Erbstellen wurden zu den Latifundien der enorm
Reichen geschlagen, und sie selbst wurden entweder geradezu Sklaven
oder pachtzahlende Bauern, oder nach den neu eroberten ausländischen
Provinzen getrieben, wo den Veteranen der Legionen Land zur Ver
fügung stand, wenn sie nicht vorzogen, zur Hauptstadt zu ziehen und die
Reihen der Proletarier anzuschwellen, die nichts als ihre Stimme zu
verkaufen hatten
Der Läsarismus, bald in ungezügelten Despotismus von orien
talischem Typus verfallend, war die unvermeidliche politische Folge,
und das Kaiserreich wurde, selbst als es die Welt umfaßte, in Wahrheit
zur Nußschale, die vor dem Zusammenbruch nur durch das gesundere
Leben an den Grenzen bewahrt wurde, wo das Land unter militärischen
Ansiedlern verteilt war oder das ursprüngliche herkommen sich länger
erhalten hatte. Aber die Latifundien, welche die Kraft Italiens auf
gezehrt hatten, fraßen beständig weiter um sich und zerschnitten die
Oberfläche Siziliens, Afrikas, Spaniens und Galliens in große, von
Sklaven oder Pächtern bebaute Güter. Die aus persönlicher Unab
hängigkeit geborenen herben Tugenden starben aus, Raubwirtschaft
erschöpfte den Boden und wilde Tiere nahmen die Stelle der Menschen
ein, bis endlich die in der Gleichheit gekräftigten Barbaren einbrachen,
Rom zugrunde ging, und von einer einst so stolzen Zivilisation nichts als
Ruinen übrig blieb.
So ereignete sich jene wunderbare Begebenheit, welche zur Zeit der
römischen Größe ebenso unmöglich erschienen wäre, als es uns heute
erscheint, daß die Lomanches oder Flatheads die vereinigten Staaten
erobern, oder die Lappländer Europa verwüsten sollten. Die Grund
ursache ist in den Grundbesitzverhältnissen zu suchen. Auf der einen
Seite brachte die Verweigerung gemeinschaftlichen Rechts auf den
Grund und Boden den verfall hervor, auf der anderen gab die Gleichheit
Kraft.
„Die Freiheit", sagt de Laveleye („Das ursprüngliche Eigen
tum", Seite N6) „die Freiheit, und als Konsequenz davon der Besitz
eines Anteils am gemeinschaftlichen Eigentum, auf welchen das Haupt
jeder Familie im Stamme das gleiche Recht hatte, waren in dem deutschen
Dorfe wesentliche Rechte. Dies System absoluter Gleichheit prägte
dem einzelnen einen bestimmten Eharakter auf, welcher es erklärt,
daß kleine Banden von Barbaren sich zu Herren des römischen Reiches
machten, trotz dessen geschulter Verwaltung, dessen vollkommener
Zentralisation und dessen Zivilgesetzes, welches sich den Namen der
geschriebenen Vernunft erhalten hat."
Andererseits war das Herz dieses großen Reiches angefressen.