Full text : Inlandskapital, Auslandskapital, Kriegstribute

118 8. Kapitel. Kriegstribute und Kapitalrückzahlungen:

sollten, ist es sehr fraglich, ob Geld da sein wird, die
letzten Beleihungen zu Ende zu führen.
Die deutsche Volkswirtschaft wird sich zwischen
diesen beiden Fällen etwa in der Mitte befinden. Einmal
 wird auch für sie der Zeitpunkt kommen, wo die
Summe der Rückzahlungsverpflichtungen die des neu
hereinkommenden Kapitals übertrifft und auch eine Diskonterhöhung
 nicht mehr imstande sein wird, die Differenz
 auszugleichen. Was tritt dann ein? Im. günstigsten
Falle ist es möglich, daß für einige Zeit noch ein Ausgleich
 durch den Verkauf von Beteiligungen herbeigeführt
 werden kann, die den Vorteil haben, eben nur
ein Änrecht auf Markerträge darzustellen. Äber es ist
klar, daß dieser Verkauf von Beteiligungen oder sonstiger
 Substanz, zum Beispiel von Grundstücken nur zu
immer ungünstigeren Bedingungen erfolgen kann, und
daß er sich auch nicht zum Ausgleich von Auslandsforderungen
 erzwingen läßt. Einmal muß auch diese
Ausgleichsmöglichkeit ihr Ende finden, und was dann?
Diese Frage sich nicht gestellt zu haben, ist der verhänsnisvolle
 Fehler aller derjenigen, die kurzsichtig die Kapitalbeschaffung
 aus dem Auslande empfehlen, weil das
Inland für augenblickliche Bedürfnisse nicht genügend
Kapital bildet. Das Problem eines Endes des ausländischen
 Kapitalimports darf heute nicht außer acht gelassen
 werden, Die Möglichkeit schwerster Schädigungen
ist allein schon dann gegeben, wenn der Zeitpunkt, an
dem große Rückzahlungen fällig sind, unglücklicherweise
 mit einer amerikanischen Wirtschafts- oder Börsenkrisis
 zusammenfällt und dann die Kapitalzufuhr
stockt.

Es ist denkbar, daß es durch Diskonterhöhung und
Verkauf von Substanz trotzdem gelingt, den Zahlunsgsausgleich
 herbeizuführen, ohne daß die Währung geschädigt
 wird. Aber mit Sicherheit kann das niemand
behaupten. Wenn das nicht möglich ist, wird der Export
 durch Sinken der Währung erzwunsen werden und
            
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