Full text : Allgemeine Gesellschaftslehre

182

[V. Kapitel. a

damit der Andere wisse, der „aufgespannte Schirm“ sei Ausdruck eines
besonderen Wollens. Jener, der Etwas tut, ist sich in zahllosen Fällen
im Augenblicke seines Strebens dessen gar nicht bewußt, er „denkt
gar nicht daran“, daß die durch sein Wollen und Tun bewirkten Veränderungen
 als „Ausdruck“ für sein Wollen in Betracht kommen. Alle
Wollenausdrücke sind also „willkürliche Ausdrücke“ lediglich in dem
Sinne, daß sie „durch Wollen gewirkte Ausdrücke“ sind, und als
„Zeichen“ für besonderes Wollen in Betracht kommen, keineswegs aber
sind alle Wollensausdrücke „willkürliche Ausdrücke“ in dem Sinne,
daß sie „als Ausdruck absichtliches Körperliches“ darstellen.
Wir müssen vielmehr „unabsichtliche (zufällige und quasizufällige)
 Wollenausdrücke“ von „absichtlichen Wollenausdrücken“
 unterscheiden. „Unabsichtlicher Wollenausdruck“ ist
jedes Körperliche, das als identische wirkende Bedingung dafür in Betracht
 kommt, daß besondere empfängliche Seelen durch Wahrnehmung
einer Besonderheit jenes Körperlichen den wahren Gedanken gewinnen,
ein besonderes Wollen, in welchem jenes Körperliche nicht als wirkender
 Ausdruck beabsichtigt war, habe die wirkende Bedingung
 für jenes wahrgenommene Körperliche als Wirkungsgewinn
abgegeben. Die Besonderheiten „unabsichtlicher Wollenausdrücke“
finden sich in der Welt niemals als „Natürliches“, wohl aber entweder
als „Quasi-Natürliches“ oder als „Quasi-Künstliches“ oder als „Künstliches“,
 Die Frage, ob besonderes Körperliches in der Welt sich in
Beziehung zu besonderem Wollen als „Quasi-Natürliches“ oder als
„Quasi-Künstliches“ oder als „Künstliches“ darstellt, d. h. entweder
einen durch jenes Wollen gewirkten, aber in jenem Wollen nicht gewußten
 Wirkungsgewinn, oder einen durch jenes Wollen gewirkten,
in jenem Wollen gewußten, aber nicht gewollten Wirkungsgewinn,
oder einen Gewolltes erfüllenden Wirkungsgewinn darstellt, darf selbstverständlich
 nicht mit der Frage verwechselt werden, ob solches
Körperliches in jenem Wollen als wirkender Ausdruck entweder
 nicht gewußt oder gewußt, oder nicht gewollt oder gewollt
 war. Die. „unabsichtlichen Wollenausdrücke“ bilden zusammen
mit den „Triebausdrücken“ die „unabsichtlichen (zufälligen und
‚quasi-zufälligen) Ausdrücke“. Die „unabsichtlichen Wollenausdrücke“
 sind aber wieder entweder „zufällige Wollenausdrücke“ oder
quasi-zufällige (quasi-beabsichtigte) Wollenausdrücke“. Ein „zufälliger
Wollenausdruck“ liegt z. B. vor, wenn jemand läuft, ohne zu wissen,
daß ein Anderer durch die Wahrnehmung jener Leibesveränderungen
den Gedanken gewinnt, die wirkende Bedingung für jenes Laufen sei
ein Wollen, „den Zug zu erreichen“. Ein „quasi-zufälliger Wollenausdruck“
 liegt z. B. vor, wenn A in Gegenwart des C Etwas zu B
sagt, wobei er weiß, daß durch seine Rede auch C einen Gedanken
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.